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 Epoche 70er Moderations-Bereich
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 Betreff des Beitrags: Epoche 70er
BeitragVerfasst: 08.07.2008 23:49 

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Finde die Idee von Red Senior sehr gut, daß man mal über ein paar prägende Erinnerungen mit 96 schreiben kann.

@ Red Senior, Du hattest im Vorstellungsthread diese Idee angedacht und u.a. geschrieben:

"Mein erstes Spiel der Roten war 1976 gegen "Niederöstereich". 2-2 gegen den Kaiser und seinen Hofstadl. Als ich den Abend einschlief, war mein Leben vorgezeichnet. Ende der siebziger in "glorreichen 2Ligezeiten" verloren sich an manchen Spieltagen gerade weniger als 2000 Fans im alten Niedersachsenstadion. Da stand ich dann mit meiner Kutte in der Kurve, direkt über mir die "Roten Wölfe" und fühlte mich wie ein Auserwählter. Das war fast wie Familie...
Die Höhepunkt hab ich alle mit Herz und Hirn durchlebt. Das Geilste war die Aufstiegssaison mit Biskup. Gegen Hertha flossen die ersten fetten Freudentränen. Beim Pokalsieg in Berlin hab ich es dann sogar in die HAZ geschafft. Ein Fotograf erwischte uns vor dem Spiel an der Gedächniskirche. Da wir zu dem Zeitpunkt dort die einzigen Roten waren, nötigte er mir ein Foto ab. Erschien dann am Montag unter der Überschrift "Auch ein Fan ist ein Sieger". [...]
Könnte hier soviele Anektoden aus meiner 96er Zeit zum besten geben, aber dafür wurde der Thread ja nicht geöffnet(..und langweilen will ich hier auch keinen)
Vieleicht eine Idee für einen neuen Thread.."Was ich mit den Roten erlebt habe" oder so ähnlich."


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 08.07.2008 23:50 

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- Also das reizt mich auch mal sehr für ein paar Zeilen: meine Liebe zu 96 begann Mitte bis Ende der 70er Jahre. Das waren die Zeiten, als es auch Lokalderbys mit den "Blauen" gab, und in der einen Saison sogar mit dem OSV (damals war die Zweite Liga zweigeteilt, und in der Nordstaffel spielten zeitweise 96, Arminia und OSV gleichzeitig).

Rangeschleppt ins Stadion von 96 hatte mich damals eine Clique aus meiner Klasse, allen voran zwei, drei echte Fußball-"Enthusiasten", mit denen wir auch fast täglich selber auf Schulhöfen und Wiesen herumbolzten. Wir waren damals eigentlich so drauf, daß wir uns alles an Spielen "reingezogen" haben, was ging. Um die "Rivalen" von 96 zu vergleichen, sind wir damals auch zu Arminia, OSV und anderen Spielen gefahren. Spieler wie der verrückte "Ecken-Zirkler" Charly Mrosko spielten dann ja auch in ihrer Karriere für beide Vereine.

Die Heftigkeit, mit der wir als Clique 96 angefeuert haben, war von pubertärem Wahn gekennzeichnet. :wink: Genauso wie Red Senior es beschreibt, war das damals im alten Niedersachsenstadion zu Zweitliga-Zeiten schon sehr speziell. Es war auch eine wesentlich rauhere Zeit damals, wo viele "Kuttenträger" noch eher wie Rocker aussahen. :lol: Wie stolz war ich, als ich endlich auch so eine Jeansjacke hatte, hinten mit verschiedenem 96-Zierrat draufgenäht! :oops:

Und weil da manchmal nur 3000 oder 5000 Fans waren, fiel jede Stimme ins Gewicht. :wink: Die Fankurve war nicht im Norden, sondern zwischen West und Süd unterm Dach. Man konnte dort infernalisch viel Krach machen, es hat in dieser damaligen Betonschüssel meiner Erinnerung nach auch viel mehr gehallt (oder ist das alles Nostalgie? :wink: )

Ich weiß nur, daß ich dort viele meiner glücklichsten Stunden in den späten 70er-Jahren verbracht habe.

Es war eine Zeit, wo wir regelmäßig irgendwelche 10-Pfennig-Wetten zum Spieltag laufen hatten, Fußballbilder sammelten, uns mit kleinen Transistorradios über die Stände auf den anderen Plätzen informierten (so geordnete Zwischenergebnisse wie heute gab es ja noch nicht, man konnte damals höchstens endlos lange im Stadion warten, bis nach Spielende endlich die Endstände durchgesagt wurden).
Im übrigen war unsere Clique noch so lütt und bescheiden, daß wir nach meiner Erinnerung niemals Bier angerührt haben. :roll: In den Halbzeitpausen gab es lange Verlosungsdurchsagen, wer mit seiner Stadionheft-Nummer irgendwelche gestifteten Sachpreise gewonnen hat, so'n bißchen wie auf'm Dorf. :lol:

Naja, das alles ist das Fundament, auf dem ich auch heute noch von ganzem Herzen Fan der Roten bin. Einmal Roter, immer Roter! Und die Derbys damals vor ausverkauftem Haus waren einfach klasse.

(falls es einen solchen Thread schon gibt - gefunden habe ich vorhin keinen - kann der Beitrag auch dorthin verschoben werden. Würde mich aber sehr interessieren, wie Ihr an 96 herangekommen seid und in welcher Zeit das war...)


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BeitragVerfasst: 10.07.2008 09:46 
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Wirklich 'ne gute Idee, dieser Thread hier! :D
Mein erstes Spiel war das 3:2 gegen den HSV in der Saison 72/73. Goldener Oktober damals. 96 führte zur Pause 1:0, dann sogar 3:0 - zum Schluss wurd's dann nochmal spannend (kenn ich irgendwie bis heute, das Gefühl...)
Im Stadion muss damals Dosenbier ausgegeben worden sein. Ich erinnere mich, dass einige Sitznachbarn die Dinger vorher ausgiebig geschüttelt haben und dann die unteren Sitzreihen heftig protestierten. ("Mensch, Du Kasper, lern erstmal Biertrinken!")
War irgendwie lustiger damals - auch wenn 96 eigentlich ziemlichen Murks spielte und immer mit einem Bein in der 2. Liga stand. Der zeitliche Abstand lässt das in einem etwas milderen Licht erscheinen.

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"Ist das Schubert?"
"Nein. Irgendjemand von einem Bratfett-Preisausschreiben."
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Zuletzt geändert von 96-Oldie am 10.07.2008 18:44, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 10.07.2008 17:55 

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Pralino hat geschrieben:
"Herr Prigge - von der Firma Prigge-Pelze - bitte kommen sie zum Regieturm - rufen sie umgehend ihre Frau an. Ich fürchte es hat etwas Ärger gegeben."
:lol:

An die Frucade-Trikots erinnere ich mich auch noch (Ende der 70er). Diese Orangenlimo in der gedrechselt aussehenden Flasche. :wink:

Auf mein erstes Spiel im Niedersachsen-Stadion komme ich aber leider nicht mehr, es muß ca. 1977 gewesen sein. Dunkel erinnere ich mich zwar auch noch an Radioreportagen aus der 1.Liga, meine aufkeimende 96-Begeisterung fällt aber in die anschließende lange 2.Liga-Zeit (1976/77 bis 1984/85 neun Spielzeiten 2.Liga).

Von 1976 bis 1979 war auch Arminia drei Spielzeiten in der 2. Liga, so daß ich mich ganz besonders an diese meist fast ausverkauften Derbys erinnere. Das kann sich ja heute kaum mehr einer vorstellen. Fast die ganze Stadt war dann auf den Beinen. Und in der HAZ waren seitenweise Sonderberichte.
In der 2. Liga tummelten sich ansonsten viele Mannschaften, die heute gar nicht mehr so geläufig sind, wie TeBe Berlin, Preußen Münster, Fortuna Köln, Union Solingen, SC Herford, RW Lüdenscheid, Rot-Weiß Essen oder Wattenscheid 09. Das war damals das "tägliche Brot". VfL Osnabrück, Alemannia Aachen oder Arminia Bielefeld waren glaub'ich auch dabei.

Spieler, an die ich mich aus meiner ersten Fan-Zeit besonders erinnere, sind Jürgen Rynio, Bernd Dierßen oder Karl-Heinz Mrosko, den ich vorher schon von Arminia her kannte und wegen seiner "Verrücktheit" immer besonders toll fand (Markenzeichen waren damals seine direkt verwandelten Ecken, aber auch sein extremer Kampfgeist). Ich erinnere mich noch an ein Spiel von ihm für 96 im Niedersachsenstadion, wo er irgendwann eingewechselt wurde und bereits kurz darauf wegen ungestümen Einsteigens wieder vom Platz flog. :oops:

So präsent, als ob es heute wär', sind mir aber auch die Spiele unter Biskup Mitte der 80er. Damals gab es auch schon eine Art "Monika Lierhaus" (wie hieß sie bloß?), und als Biskup dort erstmals in der Sportsendung eingeladen war, hat er ihr eine Blume mitgebracht, ich glaube ne rote Rose. :lol:


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 Betreff des Beitrags: Re: Was ich mit den Roten erlebt habe (Anfänge)
BeitragVerfasst: 16.10.2011 17:51 
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Manchmal fördert das Internet echte Perlen hervor:
Zitat:

Da kommen bei mir einige Erinnerungen wieder hoch, obwohl ich erst seit 1976 96-Spiele live erlebt habe.

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Jean Paul Sartre


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 Betreff des Beitrags: Re: Was ich mit den Roten erlebt habe (Anfänge)
BeitragVerfasst: 16.10.2011 20:34 
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Super-Link, Herr Rossi.

Meine Güte, ist das lange her.

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 Betreff des Beitrags: Re: Was ich mit den Roten erlebt habe (Anfänge)
BeitragVerfasst: 17.10.2011 17:28 
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Toller Link! Am 26.2. 72 war ich in dem Bus nach Oberhausen. Blöde Niederlage, die damals eigentlich nicht sein durfte, weil wir in der Tabelle ganz schön unter Druck standen.

Wenige Tage später begann dann meine Schulzeit im Sauerland und ich habe dann fast nur noch Auswärtsspiele gesehen. Und wir haben die alle verloren.

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 Betreff des Beitrags: Re: Was ich mit den Roten erlebt habe (Anfänge)
BeitragVerfasst: 17.10.2011 18:03 
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Bei den wirklich schönen Geschichten hier bekommt man ne Ahnung, wie alt der jeweilige Autor ist.
Hatte bei vielen einen ganz anderen Jahrgang vermutet..... :hallo:

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Zur Fankultur gehört das Leiden und der Mißerfolg zwingend dazu,
weil man sich sonst nicht über das Erreichte freuen kann.
Zitat von Roter Dortmunder


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 Betreff des Beitrags: Re: Was ich mit den Roten erlebt habe (Anfänge)
BeitragVerfasst: 17.10.2011 18:32 
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Jau jau, wir haben uns gut gehalten.
Ich meine - die meisten von uns... :lol:

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 Betreff des Beitrags: Re: Was ich mit den Roten erlebt habe (Anfänge)
BeitragVerfasst: 17.10.2011 19:07 
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Warum musst Du eigentlich immer so auf Tanne und bierfahrer96 rumhacken?

Sehr verwerflich.

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 Betreff des Beitrags: Re: Epoche 70er
BeitragVerfasst: 15.01.2012 14:37 
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Aus einem anderen Fred:

mick149 hat geschrieben:
Stegmayer schoss das einzige Tor im ersten Zweitligaderby gegen Arminia, mein erstes ganzes Spiel im Stadion. Das Niedersachsenstadion war bei dem Spiel noch überrannt worden, weil man nur 50.000 karten bei 60.000 Kapazität gedruckt hatte.


Damals gab es als Eintrittskarten immer diese hauchdünnen rosa Bons mit dem alten 50er Jahre-Fußball drauf.

Und vorher war ich schon ein paar Mal mit meinem Vater die letzte halbe Stunde drin gewesen. Damals warteten immer 200-500 Leute Anfang der zweiten Halbzeit vor den Toren und durften dann um die 60, Minute umsonst rein, als man die Tore komplett aufsperrte und alle Ordner Richtung Innenraum abzog. In dieser letzten Bundesligasaison war mein Vater nicht gut auf 96 zu sprechen und ich wohl auch noch zu jung für ein ganzes Spiel. Und da gab es dieses tragische Spiel gegen Ostpeine, mit dem der Abstieg besiegelt war. Da war ich wohl das erste Mal im Stadion, muss mich ziemlich geprägt haben. "geh nach haus und üb' erst mal, und versuch es in der zweiten Liga noch einmal" sangen die Fans ironisch-verärgert auf einen aktuellen Schlager.

Und rote Wölfe war damals Synonym für 96-Fans im Fanbereich, das war wohl der größte oder einzige große Einheitsfanclub. Sie hatten ihre Plätze damals zum ewig gültigen Stehplatztarif (bis 15 Jahre 3 Mark, ab 15 Jahre 5 Mark) auf recht guten Sitzplätzen im block M, ich glaube der steht heute noch und ist jetzt w 12. ende der 80er mussten sie dann nach h 31 umziehen. Und der gesamte riesige Unterring der Westkurve war immer ganz leer, weil man Reinigungskosten sparen wollte. Es gab Spiele, da dauerte es 3 Minuten, bis man den Ball aus dem Bereich wieder geholt hatte und das Spiel weitergehen konnte -weil man damals das ganze Spiel mit ein und demselben Ball spielte.

Werner Seide hatte immer die englischen Musiktitel angesagt, aber Schwierigkeiten mit der Aussprache. Eine Tina Turner wurde dann schon mal zur Gymnastiksportlerin. Die Lautsprecher klagen damals auch noch so, als wären sie schon mal bei der Wehrmacht eingesetzt worden.

Und dann gab es diesen rothaarigen Süßigkeitenverkäufer, der mit seiner grauenhaften Frisur und seinem weißen Kittel durch die dünn besetzten Reihen zog. Zum Schluss brüllte er immer hysterisch "zwei Tüten eine Mark", wenn er seine restlichen gebrannten Mandeln vorm Ausgang los werden wollte.

Und der wackere Admiral Theo, der seit gefühlten 300 Jahren seine Fanartikel im Zuschauerraum anpries, in seiner tollen Marineuniform. Kein Spiel ohne Admiral Theo. Das Niedersachsenstadion hatte endlose Sitzbankreihen und diesen Mini-Vipbereich mit den Plastiktischchen, Zahnbürsten-Flutlichtmasten, die auch die etwas Jüngeren noch bis 2002 kannten, und die brannten immer bis 4 oder 5 Stunden nach dem Spiel, und es dauerte bei Inbetriebnahme immer gefühlte 30 Minuten, bis sie ganz an waren.

Und die Anzeigetafel war ein Schnäppchen aus einem Ostblockland gewesen, leider hatte man aber keine Betriebsanleitung mitbekommen und so funktionierte sie nur sehr eingeschränkt und manchmal gar nicht.

Und sie hatten ganz oft Marschmusikkapellen, die vor dem Spiel und in der Halbzeit je einmal umdie Lauifbahn rummarschierten und dazu ihre zackige Blasmusik spielten. Bufftata, bufftata. Und da sag mir noch einer, die jetztzeit ist uncool gegen die ach so schrillen 70er......[

Quelle: http://forum.hannover96.de/viewtopic.php?p=4547710#p4547710


Edit: Link zum Originalbeitrag eingefügt

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Zuletzt geändert von Herr Rossi am 14.01.2013 20:55, insgesamt 2-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Epoche 70er
BeitragVerfasst: 15.01.2012 15:29 

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:nuke:
Aus welchem Thread ist das eigentlich, kannst Du nochmal einen link dahin setzen?


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 Betreff des Beitrags: Re: Epoche 70er
BeitragVerfasst: 15.01.2012 19:13 

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:nuke: ein gutgeschriebener Beitrag - macht Laune zu lesen.
gerade an die Derbys kann ich mich gut erinnern.
Bis auf die 4 Begegnungen aus den 60ern hab' ich sie alle live erlebt.

Deshalb sei es mir erlaubt eine kleine Korrektur vorzunehmen:
Roland Stegmayer ist in dem hier beschriebenen Spiel in der 23. Minute vom Platz gestellt worden.
Nicht Roland, sondern der kleine wieselflinke Mile -
Jürgen Milewsky hatte da bereits den Endstand zum 1:0 in der 8. Minute hergestellt.

Die beiden Trainer waren Hannes Baldauf und auf Arminenseite Gerd Bohnsack.
Das Spiel war eines aus der damaligen 2. Bundesliga-Nord und fand an einem Samstag
16.Oktober 1976 15:00 statt.

... hier - für die Hardliner: www.fussballdaten.de/zweiteliga/nord/19 ... ahannover/


Zu dieser Zeit, hatte "meine Riege" und ich mehrere Jahre Dauerkarte -
immer derselbe Platz.
Wir gingen schon vor Saisonbeginn rechtzeitig in die Geschäftsstelle
und machten persönlich die DK-Verlängerung klar, denn diese Plätze waren uns heilig.
Die gute Seele, die dort jahrelang Dienst tat, war Frau Christa Baumann.

Das anschließende Bierchen im Clubheim war auch nicht zu verachten.

Da stieß man häufig auch mal auf aktuelle Spieler, dann gab es einen Klönschnack.
Dammi Damjanoff, wenn der mit dem Ball am Fuß über das Geläuf trabte,
hatte er immer seitlich die Zunge draußen, man gut das dabei nie Ernsteres passiert ist....
denn den hab' ich dort öfter angetroffen, und der 5er, er konnte erzählen -
und Sprüche hatte der drauf :roll: alle mit Zunge - gut so - son richtiger Berliner...

Schorse Kulik, Kalle Herbeck, Günter Wesche und auch Horst Kinkeldey,
sind mir noch gut in Erinnerung.

Zurück zum Dauerkartenplatz:

Gegengerade überdacht, Block K39 fast ganz oben in Rufweite zur Tränke....
das war ausgesprochener Heimvorteil - nicht unwichtig, bei diesen Hitchcocks,
die damals so geboten wurden.
Mensch, was ist man in den Jahren durchs Stahlbad gegangen.

Zitterspiele ohne Ende, mit Jesus in der Tasche, noch so eben über die Runden geschaukelt.
Doch nicht permanent war Beistand von oben vertreten, dann haben sie es versemmelt...
und dieses so häufige rein/raus - kennt man ja von anderen Baustellen -
kann, wenn es gut vorgetragen wird, durchaus der Burner sein -
im Fußball, ist es auf Erstligazugehörigkeit bezogen völliger Mistikack und braucht kein Fan.

Früher gab es noch Bierausschank aus 0,3l Flaschen.
Die wurden im Akkord teilweise vorgeschenkt, damit der Andrang zur Pause nicht zu groß wurde.
Unser zweiter, oder wars schon der dritte Becher? wurde von uns lautstark,
so in der 35.Spielminute - verbal - manchmal ging es auch ganz stickum per Zeichen - geordert.
Die Piepen wurden die ca. zehn Meter hoch und weitergereicht -
retour kamen die frisch eingeschänkten "Rohre".
Dann waren wir noch vor der Halbzeit bestens eingedeckt
und konnten uns in der Pause gemütlich dem Bundesligakurier widmen.

Erstmal kam "Reklame", aus der unsäglichen Lautsprecheranlage -
mal überschreiend, mal nuschelig, kaum zu verstehen.
Dann kam der Marktschreier, mit seinen beiden blauen Plastigkörben.
Siebziger Jahre Frisur, ein Kittel, der jetzt nicht mehr wirklich weiß war -
es aber zu Oberligazeiten in den 60ern bestimmt einmal war.
Der plärrte nun auch noch dazwischen - Mandeln, Nüsse, Fruchtbonbons, -
immer wieder, wie sone Langrille mit ner Macke.

Das heißt - da tue ich dem Guten unrecht:
nach Spielschluß hat sich sein Repertoire völlig geändert,
da hatte er die Maxiversion parat:
Mandel, Nüsse, Fruchtbonbons - zwei Tüten - eine Mack.
Nicht grad empfehlenswert für die Zähne, aber als Proviant für den Heimweg, not so bad.

Jetzt kam auch sie, die Stimme - vom unvergessenen Werner - the voice - Seide.
Wie schon mehrfach "von alten Kameraden" berichtet, waren diese Verbrauchertipps durchaus knackig,
ob der markanten Stimme, die der Sprecher allzeit so drauf hatte,
der auch im Regieturm sein Pepitahütchen ungern absetzte....na, ja - im Sommer wohl schon.

Aber wehe - oh,oh, wenn es wegging von der deutschen Sprache -
jetzt weiß ich, das es bereits vor 40 Lenzen schon denglisch gegeben hat, aber so putzig und exklusiv,
wie von unserem Stadionsprecher, brachte das kein Anderer fertig.
Wir haben "the voice" einige Male persönlich getroffen -
erlebt auf den sogenannten Infoabenden vor jeder Saison.
Der konnte so schön kautzig sein, wenn es darum ging,
wie er sich sträubte mal richtige Musik abzuspielen... wir,
Kumpel Winni und ich haben uns im Clubheim mehrfach den Mund fusselig geredet,
nur um wegzukommen, von diesem Hitparadengeschrammel, was ganze Völkerscharen immer Samstags im Z D F orgiastisch feierten - wir, ElFi, Ecki, Winni und Pralino aber eben nicht.

Es blieb' dabei, nicht nur immer sonntags Cindy & Bert, sangen von ihren spanische Gitarren, Martin Mann latschte meilenweit, Rex Gildo schmetterte zum 1896sten Mal sein "Hossa"

Herr Seide, so sagte mir jüngst ein Ehemaliger, ist vor einigen Jahren verstorben...
da ich häufiger mal an ihn denke, sende ich ihm gern sein Lieblingslied an die Himmelstür.
Schöne Maid, die vom Tony Marshall jahrezehntelang besungen wurde.

Mir, aber um mich geht es ja hier nicht -
wäre knocking on heavens door schon lieber, allerdings müßte ich noch entscheiden,
welche Popgröße mir das Ständchen bringt.

So, da ja immer noch Halbzeit ist, trudeln die Zwischenergebnisse ein, auch hier wurde sehr deutlich gesprochen und die Resultate wurden kräftig bejohlt - ganz laut, wenn Bayern zurücklag.

Und jetzt endlich kamen sie die Gewinndurchsagen - auch wenn es von vielen bezweifelt wird -
es hatte sie gegeben - diese kleinen Gewinne -
Ein Spielball aus echtem Leder, Mannschaftsposter mit allen Spielerautogrammen,
Essengut beim Jugo für 2 Personen usw.
Gestiftet wurde gern auch vom Autohaus Harry Thiele - Ein Opel Händler.

Es gab auch Durchsagen für absolute Verlierer:
deren Auto war fast schon auf dem Haken des Abschleppers, oder die Batterie war bereits reichlich schlapp, weil der Blödmann sein Licht nicht ausgemacht hatte.

Und natürlich diese Happy Ends, dann war auch hier der Werner das wichtige Bindeglied...
nämlich zwischen dem temporär verloren gegangenen Sohnemann, Töchter gehen erst später flitzen...
und dem schon mit hochroter Omme verzweifelt glotzenden Vater.

Wie konnte das passieren, tja - beide Augen auf die Fressalien gerichtet -
eines aufs Bier, das andere auf die Pizza -
da geht dann sone kleene Bratwurscht schon mal schnell verloren...
aber es ist ja immer wieder gut geworden.
Am Regieturm fanden sie alle wieder zusammen.

So hinsetzen Herrschaften - zweite Halbzeit fängt an.

Es gab aber auch einige überzeugende Triumphe, wenige Kantersiege.....
ein 8:0 gegen Karlsruhe - da is man aussem Jodeln garnicht wieder rausgekommen...
doch wie gesagt die vielen frustrierende Heimschlappen,
oft grad' gegen Underdogs, die gefühlt auf Platz 27 standen
- trotzdem - wir haben es an manchen Tagen noch überboten.

Wir waren häufig großzügige Gastgeber.
Allemania Aachen - 1. FC.Homburg - St.Pauli - Arminia Hannover -
auch die Arminen aus Bielefeld - Schweinfurt 05,
was haben die hier abgegriffen - punktemäßig :shock:

An solchen Tagen mußte man sie einfach mal wieder Schleuderfüße nennen,
unglaublich, was die Herrschaften sich zurechtgegurkt haben.

Gegen Preußen Münster haben wir uns in den 70ern gleich zweimal hintereinander saudämlich angestellt - und das zu Hause. Beide Male verlieren wir nach Grottenkicks kläglich mit 0:1.
Februar 1975 war das, vor immerhin 15000 Frustrierten.
Das wurde im April 1977 noch ein weitere Mal getoppt - wieder 0:1,
diesmal waren nur noch knapp 5000 Versprengte die im weiten Rund verkniffen aus der Wäsche guckten...

Tja - nun wolln wir Mal zu Potte kommen - Abendbrot ist fertig....
also ziehe ich für meine Person ein Fazit.
40 Jahre rot - immer was erlebt - gefeiert, gejubelt, fast ausgeflippt -
geflucht, gepfiffen, gebölkt, frustriert, verzweifelt, ohnmächtig, konstaniert, geschockt

Hier ging es um die Siebziger....

deshalb kann ich ja mit der Entwicklung seit 2002 garnicht so unzufrieden sein,
natürlich geht immer noch ein bißchen mehr... von mir aus gerne
doch gerade was hier seit 1,5 Jahren geboten wird - chapeau,
vielleicht sollten einige Leutchen ihre Ansprüche - sagen wir - eichen, neu justieren

Wir sind fast ein Jahrzehnt in Deutschland erstklassig.

Bye the way,was macht eigentlich u.a.
Fortuna Düsseldorf, 60 München, Tasmania Berlin, TB, Saarbrücken, Pirmasens, Neunkirchen
Meiderich, Oberhausen, Fortuna Köln, Wattenscheid... die verbotene Stadt
die Ostvereine Leipzig, Dresden, Rostock

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das Beste an 96 - die spielfreien Tage


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 Betreff des Beitrags: Re: Epoche 70er
BeitragVerfasst: 15.01.2012 21:09 
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:nuke:

Kalle Herbeck war übrigens schon vor seiner 96-Zeit der Held und Strahlemann der Alfelder Penne. Im Rahmenprogramm der Bundesjugendspiele gab es traditionell immer ein Fußballspiel Oberstufe vs. (Sport-) Lehrer. Einmal nutzte Kalle die Gelegenheit und hat dem beliebtesten Sportlehrer - so einer Dumpfbacke von verhindertem Unteroffizier mit eben solchen pädagogischen Ansichten - so richtig einen verpasst. Auaaua und humpelnd vom Platz. Kalles Ansehen stieg ins Galaktische. Zum großen Durchbruch bei 96 hat es ja leider nicht gereicht.

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„Dass wir den Aufstieg nicht schaffen, wird nicht passieren." Martin Kind


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 Betreff des Beitrags: Re: Epoche 70er
BeitragVerfasst: 16.01.2012 01:19 
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Da geht man die letzte Nachtwächterrunde und schaut nach polnischen Spamflugenten, dann kriegt man hier nahezu hochfiligrane Flugeinlagen aus den 70ern zu Gesicht. Um kurz vor 7 ist die Nacht rum. Aaah!!!
Pralino, genau für solche prima Geschichten haben wir diesen Bereich ins Leben gerufen. Herrlich! :nuke: :fan:

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„Kriminelle haben im Fußball nichts zu suchen!"
― Uli Hoeneß


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 Betreff des Beitrags: Re: Epoche 70er
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So sieht's aus.
Das ist pranilElFisch....... :nuke:

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Zitat von Roter Dortmunder


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 Betreff des Beitrags: Re: Epoche 70er
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:mrgreen: pranilElFisch :mrgreen:

Jau 8)

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Da hab ich gedacht, ich tu ihn ihm rein in ihn ihm sein Tor. Horst Hrubesch

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BeitragVerfasst: 14.01.2013 18:21 

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Hier im 70er Jahre Thread fehlt noch die Geschichte von Schiri Ahlenfelder, der nach 30 Minuten abgepfiffen hat zur Halbzeit.

Das war bei einem Spiel von Hannover 96 in Bremen. Es ging nachher die Anekdote, wenn man im Bremer Klubhaus einen "Ahlenfelder" bestellt hat, dann bekam man ein Bier und einen Korn. :wink:


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 Betreff des Beitrags: Re: Epoche 70er
BeitragVerfasst: 30.06.2013 10:16 
✝ Unvergessen
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Helmut Kronsbein gehörte ja zur Generation der Feldwebel-Trainer. Aber man sollte ihn deswegen nicht unterschätzen, etwas mehr als Kommiss war in seinem Kopf schon drin.

In diesem Spruch werden seine Beobachtungsgabe und der gelegentliche Hang zur doppelt gebrochenen Ironie deutlich:

"Lattek ist ein hervorragender Trainer. Das zeigt sich schon alleine daran, dass er den Herren Neudecker und Schwan jahrelang das Gefühl vermittelte, sie verstünden etwas vom Fußball."

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„Dass wir den Aufstieg nicht schaffen, wird nicht passieren." Martin Kind


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 Betreff des Beitrags: Re: Epoche 70er
BeitragVerfasst: 09.11.2015 07:48 
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Ich war 3, aber die alten im Forum können sich bestimmt noch erinnern? :mrgreen:

Zitat:
Halbzeit-Pause nach 32 Minuten - "Hat der vielleicht etwas getrunken?"


Zitat:
21.000 Zuschauer im Bremer Weserstadion langweilten sich im Duell des heimischen SV Werder gegen Hannover 96. Es war der 13. Spieltag der Bundesliga-Saison 1975/76 und nichts schien darauf hinzudeuten, dass an diesem kühlen Samstag Bundesliga-Geschichte geschrieben werden sollte. Im Zentrum der allgemeinen Heiterkeiten: Schiedsrichter Wolf-Dieter Ahlenfelder.


http://www.kicker.de/news/fussball/bund ... unken.html

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Wir müssen aufhören weniger zu trinken!


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