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 Hannover 96 GmbH & Co. KGaA Moderations-Bereich
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 Betreff des Beitrags: Re: Hannover 96 GmbH & Co. KGaA
BeitragVerfasst: 28.06.2020 11:46 

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@Odin96: Du hast am 7.9.2019 folgendes geschrieben:
Odin96 hat geschrieben:
Herr Kind sprach von 18 Mio. € Verlust. Wenn hier von "18 Mio. Miese" gesprochen wird, ist also der Verlust in der GuV gemeint. Wie die zustande gekommen sind, würde ich allerdings auch gerne verstehen.

Habe mir den Geschäftsbericht 2017/2018 angesehen und da in den Vorpostings betriebswirtschaftlich wieder einiges munter durcheinander geworfen wurde, versuche ich einige Fakten mal einzuordnen:

1) Das NLZ wurde mit einem Investitionsvolumen von rund 18 Mio. € errichtet und in den Sachanlagen der Bilanz aktiviert. Die Abschreibungen auf diese Sachanlagen betragen rund 700 T€ und belasten jährlich die GuV.

2) Wenn Spieler gekauft werden, werden die Transferausgaben im immateriellen Anlagevermögen aktiviert. Es findet also lediglich ein Aktivtausch in der Bilanz (Spielerwerte an Kasse) statt und hat zunächst keinen Einfluß auf die GuV. Dieser aktivierte Spielerwert wird dann über die Vertragslaufzeit abgeschrieben. Am Beispiel Jonathas: Er ist für 9 Mio. € gekommen und hatte eine Vertragslaufzeit über 3 Jahre. Dann wird in den GJ 2017/18, 2018/19 und 2019/20 jeweils 3 Mio. abgeschrieben. => können im GJ 2018/19 also praktisch maximal 6 Mio. € sein, wenn zum Zeitpunkt der Bücherschließung die Vertragsauflösung bereits feststand.

Die historischen Anschaffungskosten der Spielerwerte per 30.06.18 betrugen übrigens 42,8 Mio. €. Das ist also der Betrag, den man für den gesamten Kader 2018/19 als Transferausgaben historisch mal auf den Tisch gelegt hat. Ergebnis bekannt. :mrgreen:

Da Kind für die Saison 2018/19 bekanntlich im Leihmodus unterwegs war, dürften die Anschaffungskosten in der Bilanz 2018/19 um 10 - 12 Mio. € gestiegen, hauptsächlich durch die Transfers Wallace und Haraguchi. Der GuV-Posten Abschreibungen 2018/19 dürfte daher meiner Einschätzung nach eher niedriger ausfallen als 2017/18, selbst wenn 3 Mio. € Sonderabschreibungen für Jonathas berücksichtigt werden.

3) Zur GuV, die sich aus vier wesentlichen Posten zusammensetzt:
Umsatzerlöse 86,4 Mio. €
Personalaufwand -45,7 Mio. €
Abschreibungen -12,8 Mio. €
Sonst. betr. Aufwendungen -27 Mio. €

In den Umsatzerlösen schlagen aus der TV-Vermarktung 39 Mio. € und Werbeeinnahmen von 21 Mio. € zu Buche, der Restbetrag wird nicht kommentiert. Dieser dürfte zum großen Teil aus Zuschauereinnahmen und Merchandising bestehen. Für 2018/19 rechne ich eigentlich nicht mit einem größeren Einbruch der Umsatzerlöse, evtl. ein leichter Rückgang durch Mindereinahmen bei den Zuschauereinnahmen. Da die Abschreibungen wie unter 2. geschildert eher sinken dürften, müssten dann ja massive Steigerungen beim Personalaufwand und der sonst. betr. Aufwendungen der Grunde für das horrende Minus sein.

Beim Tempo der Berichtsveröffentlichung dürften wir in einem Jahr schlauer sein. :noidea: :wink2:


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 Betreff des Beitrags: Re: Hannover 96 GmbH & Co. KGaA
BeitragVerfasst: 28.06.2020 13:17 
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Odin96 hat geschrieben:
Die in dem Bericht der DFL genannten Verbindlichkeiten sind übrigens meiner Ansicht nach nicht die Verbindlichkeiten der KGaA gegenüber der S&S. Dort wird der Hannover Konzern ausgewiesen, also wahrscheinlich das Gesamtkonstrukt aus S&S, KGaA und Arena GmbH. Die Verbindlichkeiten untereinander werden in dieser Konzernbilanz eliminiert.

Das mag schon sein, aber der Konzern hat Verbindlichkeiten gegenüber den Privatleuten Kind und Rossmann, die der S&S Darlehen gegeben haben.


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 Betreff des Beitrags: Re: Hannover 96 GmbH & Co. KGaA
BeitragVerfasst: 29.06.2020 15:37 

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@Odin96:
ich glaube nicht, daß die Verbindlichkeiten der KGaA in den Zahlen der DFL eliminiert sind.
Das ergibt keinen Sinn.
Es geht ja um die Darstellung der wirtschaftlichen Situation der Lizenznehmer der DFL, und das ist hier die KGaA.

Umso länger ich über die Zahlen der 18/19 Bilanz nachdenke, desto erschreckender sind diese für die KGaA.
Wie geschrieben: das ist die Bilanz der zweiten Erstliga-Saison.

Die Saison 17/18 davor hatte H96 überdurchschnittlich erfolgreich bestritten.
Trotzdem erwirtschaftete die KGaA im Zeitraum 1.7.2017 - 30.06.2018 einen Verlust von 12 Millionen Euro: https://www.northdata.de/Hannover+96+GmbH+%26+Co.+KGKGaA,+Hannover/HRB+58358
> dies war sicherlich den Transfer (u.a. Jonathas) geschuldet
> in den DFL Zahlen wird übrigens ein Ergebnis von ca. 0,6 Millionen Euro ausgewiesen, was beweist, daß man die Lizenzierungs-Zahlen der DFL anders werten muß und keine handelsrechtliche GuV sind

Außerhalb von Transfereinnahmen hätte es für die KGaA also 07/2017-07/2019 nicht besser laufen können.
Wobei, ich hatte das schon mal vor langer Zeit irgendwo geschrieben:
im „Hannover-Modell“ ist es ja eigentlich so, daß an den Vermarktungserlösen erstmal nur die S&S profitiert, nicht die KGaA.
TV-Rechte Einnahmen usw. müßte ich erst wieder nachsehen.

Jedenfalls wurden im Sommer 2018 Sanè, Klaus, Harnik, Wolf und Hübner verkauft (und auch einige Spieler gekauft wie Haraguchi, Walace).
Trotzdem erwirtschaftete die KGaA laut des Kindes einen Verlust von ca. 18-21 Millionen Euro in der Erstliga-Saison 2018/19 (Angaben je nach Tagesform von Kind), die faktisch über eine erhöhte Schuldenaufnahme um 11 Millionen und die Abgabe der letzten Leistungsträger im Sommer 2019 ausgeglichen werden mußten.
Zitat:
Kind sagte dazu:
Der 75-Jährige machte aber auch klar, welch hoher Preis für den Abstieg gezahlt werden muss. „Dramatische sportliche und wirtschaftliche Auswirkungen“ hatte der Absturz in die 2. Liga. In der aktuellen (hier: 19/20) Saison summiert sich das laut Kind „auf einen Verlust von 13 Millionen Euro“. Auf zwei Jahre sind es sogar 34 Millionen Euro, dagegen gerechnet werden aber Spielerverkäufe von etwa 20 Millionen Euro.
https://www.sportbuzzer.de/artikel/hannover-96-neuer-gesellschafter-zur-neuen-saison-zunkunft-transfers/
> die Verkäufe im Sommer 2018 waren also ein Vorgriff auf einen drohenden Liquiditäts-Engpaß während der Saison 18/19, der dann auch mit einer erhöhten Schuldenaufnahme ausgeglichen wurde.
Der DFL blieb das operative Minus nicht verborgen, daher mußte das Kind (ging auch durch die Presse) für die Lizenz 19/20 eine Bürgschaft für die KGaA abgeben.
Die Bürgschaft wurde dann durch die Einnahmen aus den Spielerverkäufen abgelöst. Und es mußte ein Polster geschaffen werden. Denn die Transfererlöse im Sommer 2019 waren auch die Vorfinanzierung der Saison 19/20, um das kalkulierte Minus von (laut Kind) ca. 13 Millionen Euro des laufenden Betriebs in der Saison zu decken.
Zitat:
Der Umsatz sackte von 90 Millionen Euro in der Bundesliga auf „maximal 42 Millionen in der 2. Liga“, erläuterte Kind. Die Einnahmen um mehr als die Hälfte verringert, die Ausgaben aber weiter bundesligareif – das erklärt den Sparkurs. „Die Kosten können in einem Jahr nicht angepasst werden“, sagte Kind.

Wow. Bei einem Umsatz von 42 Millionen einen Verlust von 13 Millionen zu erwirtschaften, ist nicht so gut.
Wahrscheinlich sah die Geschäftsplanung für 2019/20 am Ende mehr oder weniger eine „schwarze Null“ vor.
Das dürfte sich überholt haben, weil durch Covid19 die entgangenen Zuschauer-Einnahmen + anteilige DK-Rückzahlungen fehlen (und der Arena GmbH auch die sonstigen Einnahmen, welche die Heimspiele ausmachen).
> wäre übrigens interessant zu wissen, ob die Arena GmbH der KGaA bei der Stadionmiete für die Spieltage entgegengekommen ist …
Kind hat die entgangenen Gewinne pro Heimspiel auf 0,5 Millionen beziffert, macht bei 5 Geisterspielen in Summe ca. 2,5 Millionen. Wahrscheinlich waren da die Rückzahlungen aus den DK noch nicht dabei. Ich setze daher mal die außerordentlichen Einnahmenverluste auf 4 Millionen an. Also wird sich der operative Verlust der Saison 19/20 voraussichtlich (wieder) auf über 17 Millionen summieren. Wie gesagt gehe ich durchaus davon aus, daß die kalkulierten 13 Millionen davon bereits durch die Transfers aus Sommer 2019 gedeckt wurde.

Aber die neuen 4 Millionen werden entwede aus neuen Schulden bei der S&S ausgeglichen werden müssen (worauf das Kind bzw. auch dessen Gesellschafter wegen der nicht mehr existenten stillen Reserven der KGaA keine Lust mehr haben), oder eben durch die anstehenden Spielerverkäufe von Anton/Maina (die in Summe dieses Jahr sicherlich nicht mehr als 10 Millionen einbringen werden).
Ich würde mal von realistischen 6 Millionen für Maina und 2 Millionen für Anton ausgehen. Blieben also 4 Millionen für Einkäufe vorausgesetzt, die KGaA bekommt für die Spielzeit 20/21 einen ausgeglichenen Haushalt hin, was ich angesichts der wahrscheinlich noch weiteren Geisterspiele nicht glaube. Also gehen die 4 Millionen in die Liquiditätsreserve.
Ok, mal schauen, ob Zuber noch einen Spieler wird verkaufen können.
Von Zukäufen möchte ich daher an dieser Stelle erstmal nicht reden (aber wenn ich das Kind richtig verstanden habe und die aktuellen kolportieren Verhandlungen z.B. zu Horn richtig lese, plant die KGaA ohne Ablösesummen an Dritte neue Spieler zu holen).

Gleichzeitig müssen die Kosten des Restkaders für die Saison 20/21 entsprechend gedrückt werden, damit endlich operativ eine „schwarze Null“ da steht, weil es dann künftig keine stillen Reserven (Spieler) mehr gibt, welche mögliche operative Verluste (und die Zinsen an die S&S) ausgleichen können.

Es sei denn, es passieren eben Fußballwunder und bei H96 entstehen reihenweise neue Stars.

Am Rande: laut diverser Quellen betrug das gesamte Personaletat (also alle Angestellten + NK) in der Saison 16/17 (Aufstiegssaison) ca. 30 Millionen Euro, im abgelaufenen Zweitligajahr bei ca. 21-23 Millionen).

Wenn die KGaA das offenbar strukturelle Defizit der letzten beiden Jahre von 17-18 Millionen Euro durch Einsparungen beim Personal auffangen möchte, müßte der „rohe“ Spieleretat tatsächlich nur noch bei ca. 12 Millionen Euro liegen (zum Vergleich: 2019/20 soll dieser Etat noch bei 21 Millionen gelegen haben), damit die KGaA am Ende auf die kolportierten 16 Millionen Gesamtetat inkl. Verwaltung und NK kommt.

P.S.: Und VW ist auch kein Sponsor mehr:
https://www.news38.de/wolfsburg/VW/article229037915/VW-Corona-Coronavirus-Hannover-96-Martin-Kind-VW-Nutzfahrzeuge-Sponsor-Wolfsburg-Zweite-Bundesliga.html

P.P.S.: um es auch deutlich zu sagen: die Covid19 Krise ist nicht der Sargnagel für die Finanzen der KGaA. Natürlich sind sie ein Brandbeschleuniger. Aber die Finanzsituation der KGaA war die letzten Jahre lang schlecht, und die KGaA hatte und hat eine desaströs wirtschaftende Geschäftsführung. Verantwortung ist nicht teilbar (auch nicht mit einem Virus), Herr Kind.


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