Was für ein geiles Wochenende!
Prolog
Schon lange war es beschlossene Sache, dass ich
1893 einen Gegenbesuch abstatte. Die Partie gegen Nürnberg war ein willkommener Anlass denn 1893s Wahlheimat Erlangen ist ja quasi "umme Ecke", wie wir Niedersachsen sagen.
Die Anreise am Freitag mit dem Zug (noch vor der heißen Phase des Wochenendverkehrs) war entspannt, die Ankunft pünktlich und die Abholung durch 1893 herzlich. Gemeinsam warfen wir einen Blick auf das für's Vorglühen auserwählte Etablissement, die
Nürnberger Mauthalle. Dem Lockruf des gehopften Goldes konnten wir dann auch nicht widerstehen und orderten ein Probierglas. Bei Spitzenwetter und warmen Temperaturen mundete das hausgebräute (original Schreibweise!)
Barfüßer ausgezeichnet.
Den Start in die geplante kurze Rundreise durch Nürnberg unterbrachen wir kurz, als wir den Mannschaftsbus der Roten vor dem Hauptbahnhof sahen. Schnell einen Abstellplatz für's Auto gesucht und Richtung Mannschaftsbus geeilt. Für einen kurzen Moment war der Blick auf den Bus durch eine Litfaßsäule versperrt - und der Bus verschwunden. Schade! Ein paar aufmunternde Worte hätten wir den frisch neu betrainerten gerne zukommen lassen.
Mit einer kurze Stadtrundfahrt, über den riesigen Aufmarschplatz, am Stadion vorbei und zur Burg im Norden der Stadt, brachte mir 1893
"Nämberch" nahe. Wir genossen dann den Ausblick von der Burg und einen Bummel durch die Fußgängerzone, bevor wir "heim" nach Erlangen fuhren. Zu mittlerweile fortgeschrittener Stunde Kehrten wir im Steinbach ein und aßen uns erst einmal satt. Nach dem erfolglosen Versuch in einer Bar mit lauter Nürnbergern den draußen beworbenen Pooltisch zu finden, flog uns zwar noch ein Plastikaschenbecher hinterher, aber sonst bin ich trotz meines stolz getragenen Trikots nie unfair angegangen worden.
Eine Partie Snooker, ein paar Kilometer Rundweg durch Erlangen und eine CD Robert Enke später war es halb fünf und Zeit sich für die anstehende Partie auszuruhen.
Vorspiel und Spiel
Wir trafen uns bei brillantem Wetter mit carpaccio in der Mauthalle und genossen Wetter, Barfüßer und die anregenden Gespräche mit den hinzugestoßenen 96-Fans aus dem Süddeutschen. Immer wieder zogen Fans beider Mannschaften an uns vorbei, die Stimmung war so gut wie das Wetter und - da waren wir uns wohl alle einig - nach dem Trainerwechsel ziemlich entspannt.
Entspannt fuhren wir dann auch zum Stadion, wo ich meine Plünnen noch kurz im "Rote Kurve" Bus unterbachte um am Stadion keinen Stress mit dem vollen Rucksack zu bekommen. Auch im Gästeblock war die Stimmung gelöst bis fröhlich. Etwa 500 Gästefans waren im Block und machten Alarm von Anfang an - wir waren immerhin so laut, dass von den Nürnbergern kaum etwas wahrzunehmen war.
Das Spiel begann und die Roten ließen keinen Zweifel daran, dass sie dieses Spiel gewinnen wollten. Sie übten Druck gegen die ballführenden Spieler aus, doppelten die Gegner wann immer möglich und standen sehr souverän in der Defensive. Bei Ballbesitz spielten die 96er auch zügig vorwärts und kombinierten mutig, mitunter zu mutig. Das Auftreten der Nürnberger wirkte etwas pomadig; die Franken waren offenbar auch ziemlich überrascht, wie forsch Hannover 96 auftrat. Auch Chancenseitig gab es Vorteile für 96, Nürnberg verlegte sich darauf, Standardsituationen herbeizuführen und schaffte es trotzdem auch bei den vier Eckbällen nicht, wirklich zum Abschluss zu kommen.
Dann lief ein hannoverscher Angriff, der Ball kam flach in die Mitte und Stajner hielt den Fuß hin. Kaum einer interpretierte das als Torschuss und entsprechend überrascht, war der Gästeblock, als der Ball plötzlich im weit entfernten Netz zappelte. Der Rest der ersten Halbzeit war im Wesentlichen Spiel auf ein Tor - das der Nürnberger. Chancen zum 2:0 für 96 gab es auch, aber das so wichtige zweite Tor wollte nicht fallen.
Die zweite Halbzeit begann wie die erste, mit Vorteilen für die Gäste aus Hannover. Die Nürnberger waren allerdings deutlich motivierter zurückgekehrt und sorgten nun auch immer wieder für Entlastungangriffe. Stajner wirkte zwar in Laufduellen recht träge, brachte sich aber immer wieder ein und sorgte für viel Wirbel. Einer dieser Wirbel führte zum Elfmeter. Bei beiden Ausführungen waren Spieler beider Mannschaften zu früh im Strafraum; meiner Meinung nach hätte bei konsequenter Regelauslegung auch der zweite Versuch zurück gepfiffen werden müssen.
Trotz der vergebenen zweiten Chance blieb die Mannschaft stabil. Trotz des höheren Aufwands der Nürnberger gelang ihnen nur wenig. Nach fünfzehn, zwanzig Minuten war dieser Ansatz einer Drangphase vorbei und Stajner schloss einen der Gegenangriffe mit dem 2:0 für 96 ab. Der Rest des Spiels verlief wie im Trance: Nürnberg konnte es nicht mehr verhindern und die Roten spielten - noch immer engagiert - zuende.
Ich kann kaum beschreiben, welche Gefühle sich mit dem Schlusspfiff in mir breitmachten also erspare ich euch den Versuch.
Nachlese
Ein entscheidender Unterschied zu den letzten beiden Auftritten der Roten war nach meiner Wahrnehmung, dass alle auf dem Platz an einem Strang zogen. Keiner klinkte sich auch nur vorübergehend aus oder ließ sich hängen. Nach dem Schlusspfiff bildeten die Mannschaft und alle anderen Beteiligten einen Kreis und freuten sich in diesem Schulterschluss gemeinsam über den Erfolg - ein Symbol dafür, dass eben doch etwas erreicht wurde - wenn auch die Fortschritte im spielerischen Bereich nur kleine waren.
So nehmen Spieler und Fans etwas aus Nürnberg mit, das ich für noch wertvoller halte, als die drei Punkte: die Erkenntnis, dass die Mannschaft zusammen funktionieren kann.
Epilog
Auf der Rückfahrt im "Rote Kurve" Bus war die Stimmung famos, Noch mehr als vier Stunden später tönten Gesänge aus dem Heck des Busses. Das beliebteste, "Auswärtssiege sind schön", klingt den Bedienungen im Burger King an der Autobahn wohl noch immer in den Ohren.
Eine wunderbare Auswärtsreise und ich bedaure jeden, der nicht dabei war und das live miterleben konnte.