Ich versuche es nochmal:
Ich verstehe das Problem einiger nicht, wenn sich die aktiven Fanszenen in Deutschland zu einer Demonstration treffen, um für den Erhalt ihrer Fankultur zu demonstrieren. Dass nicht für jeden Fan gesprochen und nicht jede Meinung vertreten werden kann, ist klar. Dazu gibt es einfach zu viele Ansichten vom Fansein, was auch gut so ist.
Aber warum wird dann die Aktion per se schlecht dargestellt? Was ist daran verwerflich, wenn aktive Fans (womit ich nicht sagen will, dass es sich dabei um bessere Fans handelt) um eine Verbesserung ihres Standes bemühen? Wieso kann die Fankultur nicht als eine Art Subkultur akzeptiert werden, die zwar noch relativ neu ist, aber die es in anderer Form früher, zu "euren" Zeiten, auch schon gegeben hat?
Vorweg: Ich bin kein Ultrà und somit auch kein Mitglieder der Ultras Hannover. Man muss diese Ultrà-Bewegung nicht gut finden, man muss das ganze Drumherum nicht gut finden. Man kann es aber, wie bereits erwähnt, akzeptieren.
Zum Thema Pyro: Es ist in den Stadien verboten. Punkt. Einige Hannoveraner werden sich freuen, im nächsten Jahr wiederholt keine Fahnen mit nach Wolfsburg nehmen zu dürfen, weil einige wenige (wieder) gezündelt haben. In meinen Augen war das eine unsinnige Aktion. Von diesen wenigen muss man aber nicht auf die komplette Ultrà-Szene schließen. Picard ging eine Seite zuvor sogar soweit, pauschalisierend die komplette aktive Fanszene damit in Verbindung zu bringen.
Zudem sollte man bei dem Thema Pyro auch mal auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Es ist nicht ungefährlich und daher verboten. Ok. Aber die Leute, die sich nicht daran halten, zwangskriminalisieren ist nichts weiter als Populismus und rückblickend in die Vergangeheit sogar heuchlerisch. Hier herrscht eine hässliche Doppelmoral.
Hier mal ein Bild, welches keine 15 Jahre alt ist. Das war zu der Zeit Standard, heute ist es ein Verbrechen? Vor 5-6 Jahren gab es beim Fußball-Manager noch die Option, das Stadion mit Bengalos darstellen zu lassen. Normalerweise hätte das Spiel die rote FSK-Raute tragen müssen, ist ja schließlich gewaltverherrlichend. Den Vogel schoss vor ein paar Jahren eine große deutsche Tageszeitung ab, als sie an einem Montag von "Idioten" und "Chaoten" sprach, weil am Spieltag gezündelt worden ist, aber ein paar Tage später nach dem Spiel Hamburger - Istanbul vom südländischen Temperament sprach, als gleiches geschah.
Mir ist natürlich bewusst, dass die damaligen Bengalos mit dem Rauchpulver, welches heute gezündet wird, nicht viel gemein haben. Aber ich behaupte mal, dass viele, die sich darüber aufregen, den Unterschied gar nicht kennen.
Um nochmal auf die Ausgangsfrage zurück zu kommen: Was ist daran so schlimm, wenn aktive Fans auf die Straße gehen? Wieso wird in so eine Diskussion überhaupt der Begriff "Kindergarten" in die Runde geworfen? Gut, viele Ultras sind jung, hauptsächlich ist es auch eine Jugendkultur. Und? Wo ist das Problem? Wo ist das Problem, wenn diese jungen Leute dafür demonstrieren, dass die Anstoßzeiten so festgelegt werden, dass es ein Schüler schafft, für seinen Verein zu einem Auswärtsspiel zu fahren und auch wieder zurückzukehren, ohne dass die Schule darunter leidet?
Klar gibt es auch andersdenkende Fans, die mit den Zielen, die erreicht werden sollen, nicht einverstanden sind. Aber warum tun sich diese Fans nicht auch einfach zusammen, gründen Bündnisse und demonstrieren? Warum immer alles hinnehmen, was die DFL vorgibt? Auf der Westtribüne sitzen und in Ruhe Fußball gucken - ok. Mit dem Anfeueren der Mannschaft nichts zu tun haben wollen - ok. Nicht zu den Auswärtsspielen zu fahren, weil man keine Lust darauf hat - ok.
Aber hört bitte auf, den Leuten, denen nicht nur der Fußball, sondern auch das Fansein wichtig sind, ihr Anliegen madig zu machen. Für viele ist es eine Kultur, sich Fahnen in den Vereinsfarben zu malen, diese in den Stadien zu präsentieren, ihre Meinung auf Spruchbändern kund zu tun, ihre Liebe zum Verein in kreativem Liedgut zum Ausdruck zu bringen. Was ist daran verkehrt?
Und tut bitte nicht so, als wenn früher alles besser war. Waren die Zeiten wirklich besser, als sich nichtmal 10.000 Menschen im Niedersachsenstadion einfanden, um ihre Mannschaft zu sehen? War es besser, als zum Niedersachsenlied die rechten Arme hochgingen? War es besser, als sich noch auf den Rängen und nicht wie heute auf dem Weg ins Stadion die Zähne eingeschlagen wurden?
Wenn die Fankultur früher im alten H31 so viel besser war, wieso hat sie dann nicht überdauert? Wieso habt ihr, die ja damals dazugehörten, nicht dafür gesorgt, dass der Gedanke weiter gelebt wird? Wieso kann man es nicht einfach akzeptieren, dass heute eine andere junge Kultur das Zepter in den Kurven übernommen hat, genau wie das früher auch der Fall war?
Wieso werden alte Fans nicht selber wieder aktiv, wenn ihnen das nicht passt, was sie in den Kurven sehen? Die Rote Kurve beispielweise ist zu allen Seiten hin offen. Es hindert einem niemand daran, sich dort aktiv in seinem Sinne zu engagieren. Es hindert einem auch niemand daran, einen eigenen Verband zu gründen und dort die gute Alte Zeit wieder aufleben zu lassen. Niemand wird daran gehindert, sich in einer Gruppe auf die Westtribüne zu setzen und alte Anfeuerungsversuche zu starten.
Ich behaupte sogar mal, jeder, der in der Nordkurve steht, sei es Ultrà, Kutte oder Normalo, würde sich freuen, wenn sich so eine Gruppe auf der West bildet. Wenn dort mal irgendwas angestimmt wird. Die Nord würde begeistert mitsingen.
Denn jeder Aktivität von den Fans, egal welcher Einstellung und Tribüne, ist besser als gar keine. Im Internet motzen kann jeder - selber mal aktiv werden und das Maul aufkriegen - dazu gehört Courage.
@Picard: Wenn du deinen Beitrag gestern ernst meinst, dann würde ich mich morgen gerne mit dir Treffen und das von Angesicht zu Angesicht diskutieren. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass du auch ernsthaft bereit bist zu diskutieren. Ich will dich nicht von meiner Meinung überzeugen, ich habe aber auch keine Lust, von dir als Kindergartenkind bezeichnet zu werden, nur weil du (zumindest scheinbar) nicht in der Lage bist, zu differenzieren.