Bemeh hat geschrieben:Hat eigentlich irgendjemand schon einmal nach den Qualitäten von Carsten Linke gefragt, die nicht seine Loyalität zu 96 betreffen? Ich lese da nur sowas wie "hat sich immer reingehängt", "hatte einen guten Draht zu den Fans", "ist ein echter Roter", "wurde von Kaenzig ausgebildet".
Wer hat denn schon einmal etwas wirklich qualitives von ihm erlebt?
Einfach unglaublich, immer wieder Linke.
@ Bemeh und Kuhburger. Wer hat nach der Qualifikation von Hochstätter und Moar gefragt? Vor allem bevor sie ihre erste eigenverantwortliche Aufgabe im Fußballmanagement übernommen hatten? Das gilt für die meisten Manager im Fußballgeschäft - insbesondere, wenn sie vorher Spieler waren. Hier sehen jetzt auch schon viele in Bobic und Ismael einen möglichen nächsten Kandidaten für den Job des 96- Sportdirektors. Welche Qualifikationen bringen sie mit, außer der Tatsache, dass sie selber Spieler waren und deshalb über einige Kontakte verfügen, die nützlich sein können. Die notwendige Übersicht über den Markt haben sie damit allerdings noch lange nicht. Betriebswirtschaftliche Kenntnisse schon gar nicht. Es zeugt von Ismaels Weitsicht, dass er seine Zeit nutzt und jetzt ein betriebswirtschaftliches Studium an der FH dranhängt. Es bleibt abzuwarten, ob er es auch abschließt.
Ich finde es ebenso unverständlich, dass du über Linke stets mit einem abfälligen Unterton sprichst. Ich denke, wir beide können nicht beurteilen wie er sich bisher als Manager und Geschäftsführer in Jena bewährt. Aber allein die Tatsache, dass man ihn schon nach kurzer Zeit auch zum Geschäftsführer gemacht hat, zeigt mir, dass die dortige Vereinsführung den Eindruck gewonnen hatte, dass Linke auch mit Zahlen umgehen kann. Sportlich läuft es im Moment ja offensichtlich nicht gut. Das beweist der Blick auf die Tabelle. Aber auch Kind hat ein paar Jahre gebraucht, um 96 zu sanieren und den Weg für den Aufstieg zu bereiten. Im Gegensatz zu Linke konnte Kind dabei auf eigene Geldmittel und seine Erfahrungen mit seinem Unternehmen zurückgreifen. Linke hat ja bei seinem Amtsantritt keine geordneten Verhältnisse vorgefunden und musste auch erst mal alles neu ordnen.
Über seine Tätigkeit bei 96 ist zu sagen, dass er Kaenzig sehr viel Arbeit abgenommen hat - z.B. von der Auswahl über die Vorbereitung bis zur Abwicklung der Trainingslager; auch hat er sich mit Kaenzig über die Berichte der scouts ausgetauscht, die bei Kaenzig ja in einem standardisierten Spielerbeobachtungsbogen erfasst wurden und hat mit Kaenzig zusammen die in Frage kommenden Spieler noch zwei bis dreimal selbst beobachtet. Ebenso war er z.T. mit in den Verhandlungen mit den Spielerberatern und Spielern usw.(Solch ein Spielerbeobachtungsbogen war übrigens bei der 96-Ausstellung in Burgdorf in einer Vitrine zu sehen.) Linke war auch so etwas wie Kaenzigs Sprachrohr gegenüber den Spielern, was vielleicht nicht immer so glücklich war, weil er jetzt "auf der anderen Seite" stehen musste. Eines ist jedenfalls sicher: Linke hat sich mehr in die wirtschaftliche Materie eingearbeitet als Hochstätter es je getan hat. Linke hat viele Termine wahrgenommen - mal mit, mal für Kaenzig. Er hat Einblick bekommen in die Lizensierungsbedingungen des DFB, in die Entscheidungsstruktur einer KGaA, in die Personalführung und Dokumentation sowie in die Vertragsgestaltung. Alles Dinge, die man erst lernen muss und nicht mitbringt, weil man mal Spieler war. Die Dinge um die Linke sich gekümmert hat, haben meines Wissens immer gut geklappt - auch deswegen weil er Tugenden wie Zuverlässigkeit und Fleiß besitzt. Aber das ist ja immer so. Wenn die Dinge gut laufen, fragt kein Mensch danach, wer das im positiven Sinne zu verantworten hat und wieviel organisatorische Arbeit dahinersteckt.
Linke hat eine Art Lehre im Fußballmanagement durchlaufen und hat durch dieses learning by doing auf jeden Fall vielen anderen Bewerbern aus der Spielerszene einiges voraus. Ob er dieser Aufgabe auch ohne einen Vorgesetzten als hauptverantwortlicher Manager gewachsen ist, wird die Zukunft zeigen. Aber nach einem Jahr bei einem Abstiegskandidaten mit einem ungefestigten Umfeld finde ich es zu früh, um ein Urteil abzugeben.
Und außerdem hat er als wichtiger Ex-Spieler der Roten sowieso einen Stein bei mir im Brett. Wink