Herr Rossi, wenn das Stadion voll ist, dann hat der Veranstalter alles richtig gemacht. - Und es ist nunmal völlig gleichgültig
wer den geforderten Eintrittspreis bezahlt, solange er bezahlt wird.
Und wenn man als Zuschauer Marktwerte von 300 bis 400 Mio Euronen (pro Mannschaft wohlgemerkt) über den Platz hoppeln sehen will, dann erscheint es mir ziemlich vermessen zu erwarten, dies ginge für 15 € Eintrittsgeld...
Die Premier League zeigt nicht nur ordentlichen Fussball einerseits sondere insbesondere die Bedeutung von wirtschaftlichen Realitäten andererseits. - Diesselben wirtschaftlichen Realitäten sind übrigens auch für die Bundesliga gültig, wenn auch noch nicht so ins Groteske verzerrt wie in der PL.
Und wer sich darüber aufregt, dass wir auf dem Weg ins "Groteske" sind, der sollte sich nicht sklavisch an den 50+1 klammern als letzte Bastion gegen Entwicklungen wie in England. Der Weg wird nämlich tatsächlich durch ganz Dinge geebnet... - Ein Blick zum FCB wirft ein Schlaglicht darauf: Wenn ein Spieler wie Schweinsteiger kolportierte 10 Mio € Jahreseinkommen hat, dann ist exakt dieses der Weg, der dazu führt, dass der Finanzbedarf der Clubs ständig größer wird.
Und auch wir sind ja sehr geübt darin, in den jeweiligen Threads diesen oder jenen Wunschspieler zu fordern. - Woher, bitte schön, soll denn das Geld dafür kommen? Durch "Investoren/Sponsoren" oder über Eintrittspreise? Nur mal so zum Nachdenken ...
Und nebenbei bemerkt: Die Fehlentwicklung in der Premier League ist nicht den Investoren an sich geschuldet.
Grund dafür ist die hohe Überschuldung der Unternehmen (Clubs). Und diese kommt zustande, weil ein Investor zum Kauf eines "Clubs" Fremdmittel (Kredite) einsetzen kann und nach erfolgreichem Erwerb, diese Kredite in die Bücher des zuvor übernommenen "Clubs" schreiben kann. Mit anderen Worten: Der "Club" muss die Kaufsumme selbst finanzieren, mit der er gekauft worden ist. - Diese verhängsvolle Möglichkeit - in der "Normalwirtschaft" ebenfalls eine ständige Übung - schafft Kaufpreise, Finanzierungskosten und Überschuldungen bis an die Belastungsgrenze und darüber hinaus. Kommen jetzt noch Phantasieablösen und - gehälter hinzu, dann hat man das Abbild der Premier League. - Und die Erkenntnis: Niedrigere Eintrittspreise können die beim besten Willen nicht mehr.
Meine Schlussfolgerung daraus: Man muss nicht die Investoren verhindern, wenn man keine englischen Verhältnisse hier haben will, sondern man muss verhindern, dass der Kauf der Anteile vom Club selbst finanziert werden muss.
Und jetzt kommen wir noch mal auf den 50+1: Genau dieses verhindert der 50+1 derzeit und dass ist in der Tat gut so. Jedoch ginge es auch anders, nämlich indem man klare Regelungen in Sachen Investition schafft. Stichworte wären hier: Zweckbindung, Haltedauer und Verbot der Fremdfinanzierung von Anteilskäufen.
Ferner müßte dringend verboten werden, dass Clubs Darlehn von Investoren, Sponsoren oder Mäzenen (Modell Hopp) aufnehmen, die einen bestimmten Teil des Umsatzes übersteigen.
Dieses ist derzeit nicht reguliert und führt dazu, dass bereits heute der Darlehnsgeber über die faktische Mehrheit im Club verfügt. Auch hier hilft der 50+1 derzeit nicht weiter.
Kommen wir nun zu der eigentlichen Kernfrage: Welchen Fussball wollen wir sehen? Soll die Bundesliga im Wettbewerb sein mit der PL, der Serie A und der Premiera División oder doch lieber mit den Ligen in Ösi-Land und der Schweiz?
Je nachdem wie die persönliche Antwort jedes Einzelnen (und natürlich der des Marktes insgesamt

) ausfällt, läßt sich dann darüber reden, ob die derzeit investierten Mittel auch wirklich ausreichen.
Ich persönlich habe den Verdacht, dass die Entscheidung längst gefallen ist und wir uns hier Schattengefechten hingeben:
- Natürlich wollen wir in der Champions League und in der Europa League mit den großen Ligen Europas mithalten.
- Natürlich wollen wir Stars wie Schweinsteiger, Ribery, Robben und gern noch andere bei uns spielen sehen (sonst wäre das Stadion nicht ausverkauft, wenn die kommen).
- Natürlich wollen wir eine erfolgreiche N11 sehen.
- Und last but not least wollen wir, dass unser Verein möglichst erfolgreich ist.
Das alles wollen wir. Die Eintrittspreise aber, die sind schon jetzt zu hoch, oder wie?
Nehmen wir mal Hannover 96 als Beispiel. Eintrittspreise, TV-Gelder, Werbeeinnahmen usw., kurz der Umsatz reichen derzeit, um einigermaßen plus/minus Null über die Runden zu kommen. Der sportliche Erfolg ist abhängig von Schmadtke und Slomka. Da können wir durchaus zufrieden sein. Der wirtschaftliche Erfolg ist jedoch Null oder drunter. Was im Klartext bedeutet: Der Rückfall in alte Drittligazeiten ist durchaus möglich, wenn Schmadtke und Slomka mal nicht mehr sind oder halt nicht mehr erfolgreich sind. Zum Zulegen ist nix da. - Dabei müßten Rücklagen à la Festgeldkonto des FCB dringend sein...
Wie also kommen wir dahin? Höhere Eintrittspreise (igitt)? Oder Kapitalgeber (igitt)?