El Filigrano hat geschrieben:Ist es vielleicht möglich, das Ganze ein wenig zu unterfüttern und zu präzisieren?
Ich werde es versuchen, obgleich so eine Abhandlung dutzende von Seiten umfassen könnte

. Ich reiße es nur mal kurz an, was ich damit meine.
Das Projekt Hoffenheim galt zu Entstehungszeiten als legendärer Versuch, mittels reiner Finanzkraft einen Fußballverein von nationaler und internationaler Größe zu formen. Diesem Versuch wurde vom DFB viel Wohlwollen geschenkt. Ich erinnere hier an die Worte von einigen DFB-Funktionären, die sich auch in der strittigen Frage der Unterwanderung der 50+1-Regelung öffentlich zu Hoffenheim bekannten und auf weitere Untersuchungen und Nachforschungen verzichteten. Ebenso wie zu Zeiten des Gustavo-Transfers:
Von daher sind die Überprüfungen, die die Deutsche Fußball-Liga jetzt anstellt, ob der Transfer Luiz Gustavos nach München den DFL-Statuten entspreche, reine Makulatur. Die Hopp-Gegner können sich dadurch mit dem Argument beruhigen, es werde ja jetzt etwas getan. Hopp selbst muss sich keine Sorgen machen. Die DFL-Überprüfung wird im Sande verlaufen. (Quelle:
http://www.spiegel.de/sport/fussball/0, ... 49,00.html" target="_blank )
Hopp wusste um seine Rolle und seine Funktion beim DFB - galt er doch als der regionale Unterstützer von Fußballprojekten und Infrastruktur.
Im Laufe der Zeit des Aufstiegs - zunächst sprach man noch von Löw als Trainer - tat Hoffenheim das, was sie anschließend zur großen Projektionsfläche des deutschen Fußballs machen sollte: Wildern!
Das begann nicht bei groß, sondern bei klein:
"Nach weiteren Störmanövern seitens der Familie entschied sich der VfB, Toljan gegen eine entsprechende Summe aus dem Vertrag zu entlassen - angeblich zahlte Hoffenheim zwischen 400.000 und 500.000 Euro." Der VFb Stuttgart sprach von Beeinflussung von Familien und Gehirnwäsche. Die Vorgeschichte dazu stellte der Sachverhalt von VfB-Talent Matthias Jaissle im Jahr 2007 dar, mit dem ohne Abstimmung seitens des Vereins verhandelt wurde. Hoffenheim kündigte in 2011 das im Jahr 2007 abgewschlossene Agreement, sich beim Einkauf von Nachwuchsspielern an entsprechende Vereinsvorgaben zu halten. Ob es stimmt, weiß keiner. Die ganze Story gibt es übrigens hier nachzulesen:
http://www.stuttgarter-nachrichten.de/i ... d440d.html" target="_blank
Doch auch international haben die Hoffenheimer immer wieder versucht Jugendspieler mit merkwürdigen Methoden freizukaufen - ohne Berater seitens der Spieler: Für einen 17 jährigen aus Basel bot man 1,5 Millionen Euro. Basel lehnte übrigens ab - es entstand dort anschließend eine Diskussion über den Umgang mit solchen "Freikäufen".
Ein aktuelles Beispiel hier:
Erst Anfang der Woche hatte Wolfsburgs Bundesligakonkurrent 1899 Hoffenheim den ebenfalls 13 Jahre alten Nico Franke von TeBe Berlin in sein Jugendinternat gelotst, und der Öffentlichkeit wurde schlagartig bewusst, wie weit der Wahnsinn im Fußball inzwischen fortgeschritten ist.
Quelle:
http://www.haz.de/Nachrichten/Sport/Fus ... -Jaehrigen" target="_blank
Doch Hopp merkte, dass Geld allein das Projekt Hoffenheim nicht vorantreiben würde. Und er wurde seinen verschiedenen Rollen nicht mehr gerecht - aber das Projekt durfte nicht scheitern. Mit RR versprach er sich neue Ziele - schaffte aber nie den Raum dafür, weil er keinerlei Entscheidungsrechte im Geschäftsfeld Sport einräumte . Sportliche Intrigen wurden mit neuen Verträgen ertränkt, Spieler die eigentlich gehen wollten zu z.T. wahnwitzigen Konditionen ruhiggestellt - etwas, was nicht nur den Mannschaftsgeist quasi vernichtet hat.
Der Gegenwind wurde stärker - die Affäre um Rangnick wurde u.a. auch im Thread hier schon ausführlich diskutiert. Hopp änderte sein Konzept - Hoffenheim sollte nicht mehr wildern, sondern wachsen. Tradition spiele plötzlich eine Rolle:
Hopp hat auf halber Strecke innegehalten, das ist sogar in höchstem Maße irrational. [...] Die Stars, die noch im Kader stehen, entwickeln Fliehkräfte. Gleichzeitig spendiert Hopp dem Verein in der Winterpause einen Hochkaräter wie den niederländischen Nationalspieler Ryan Babel vom FC Liverpool.
(Quelle:
http://www.spiegel.de/sport/fussball/0, ... 80,00.html" target="_blank )
Was zurückblieb, war und ist ein Club im Spagat von Extremen. Von extremen Einstellungen, extremen Verträgen, extremen Vorgehensweisen und Entscheidungsbefugnissen, die im Sumpf von Führung, Macht und Verzweiflung keinen Abnehmer mehr finden. Intern und extern.
Hopp wollte aber keine Projektionsfläche mehr sein - nein. Anlass genug, um die bedrohliche Situation von schwindenden Zuschauerzahlen und einhergehendem sinkenden nationalen Interesse mit subtilen Mitteln - wie etwa das Beschallen von Gästefans und ihren Schmährufen - zu unterbinden. Erneut gescheitert.
Aber was braucht sein Baby Hoffenheim eigentlich? Ach ja, da war ja mal etwas mit Tradition. Holger Stanislawski wurde nicht wegen seines Fußballsachverstand verpflichtet. Es war sein Image, die Figuzr von Tradition und Treue schlechthin:
Der Coach des FC St. Pauli, dem Hort der Fußballtraditionalisten, hätte dann das Sagen beim ehemaligen Verein der Anti-Tradition. Hoffenheim hat wirklich seine Orientierung verloren. (Quelle s.o.)
Im Zuge der letzten Verzweiflung dreht sich Hopp einfach nur noch mit dem Wind. Zur Not mit allen Mitteln - in alle Richtungen. Wer Starke gestern gesehen und die Affäre um Rangnick intensiver verfolgt hat, kann erahnen, welche Angst im Club vorherrschen muss, bestimmte Dinge
anzusprechen. Die unzähligen Verschleierungsversuche der "Schall-Geschichte" haben untermauert, welche Strukturen intern dort gewachsen sind.
Ich könnte noch viel mehr schreiben, aber dafür fehlt mir jetzt leider die Zeit. Der Fall Hoffenheim ist für mich seit der Entstehung gescheitert. Ich hoffe nur noch, dass das alles ein glimpfliches Ende nimmt bzw. der Verein komplett vomn Hopp und Co freigestellt wird zur Sanierung. Ein Wunsch, den viele Hoffenheim-Fans in den diversen Foren übrigens teilen.