Bemeh hat geschrieben:Die offensichtlich bei Kind vorhandene Hoffnung auf neue Kunden, die diesen Aderlaß - bei besseren Eintrittspreisen - ersetzen, ist trügerisch. Diese Leute gibt es im Raum Hannover nicht. Wäre dies so und die Kunden würden nur auf ein sichereres Stadion warten, so hätten sie auch vor der Pyro-Debatte kommen können. Taten sie aber nicht. Ich gehe sogar noch weiter und behaupte, dass ein Großteil der fast 30.000 DK durch die gute Stimmung auf der Nord im Stadion sind. Diese werden wegbrechen. Es deutet sich da eher eine Teufelsspirale nach unten an.
Ich habe bisher diese Diskussion nur am Randverfolgt.
Wenn es einzig und allein nach der Definition unseres Präsidenten geht, bin ich der typische Kunde mit Dauerkarte auf der West, seit es seit 2010 so gut läuft. In Gesprächen habe ich bereits häufiger sehr provozierend formuliert, dass ich als Kunde ein ganzheitliches Stadionerlebnis kaufe, und dazu gehört neben dem spielerischen Erfolg auch die Stimmung im Stadion, Fangesänge, und ganz besonders Choreos. Dieses ganzheitliche Erlebnis hat mit dem Beginn dieser Saison ganz erheblich nachgelassen – keine Choreos mehr (die letzte war ein Riesenbanner für den Namen Niedersachsenstadion), die Stimmung im Keller, das Stadion halbleer und vom sportlichen Erfolg reden wir mal nicht.
Noch viel krasser: der offizielle Fanshop-Katalog wirbt auf mehreren Doppelseiten mit den spektakulärsten Choreos der Saison 2011/2012 und transportiert eine Werbebotschaft für etwas, das es gar nicht mehr gibt. Das ist Etikettenschwindel, arglistige Täuschung und wie Pferdefleisch in der Lasagne. Und bisher habe ich auch bei mehrfachem Durchblättern noch nicht den Hinweis „Serviervorschlag“ entdeckt.
Sehr geehrter Herr Kind, Ihre Kundin B'Elanna ist mit dem Produkt ganz und gar nicht zufrieden. Bitte nehmen Sie meine Reklamation zur Kenntnis.
Ich bin trotzdem da. Jedes zweite Wochenende und bei jedem EuroLeague-Spiel. Auch wenn mir in der „Packungsgröße“ was fehlt und die Qualität nicht mehr stimmt. Im Einzelhandel und bei Dienstleistungen sind Produkte austauschbar und qualitativ vergleichbar. Wenn ich dort unzufrieden bin oder mich vera....t fühle, kaufe ich ein anderes Produkt und es dauert SEHR lange, bis ich mich wieder mit einer Marke aussöhne, mit der ich einmal unzufrieden bin. Und genau daran scheitert der kindische Vergleich mit dem Kunden, denn ich bin meinem „Produkt“ gegenüber loyal und kann es nicht einfach durch ein vergleichbares einer anderen Marke ersetzen. Mit anderen Worten: ich würde mir keine Dauerkarte für den anderen HSV kaufen.
Im wirklichen Kundenleben – d.h. in Einzelhandel und Dienstleistungen - werden Milliarden in Kundenbindungsprogramme gesteckt und jeder Marketingfuzzi weiß, dass es 20x so teuer ist, einen „abtrünnigen“ Kunden wiederzugewinnen wie einen Kunden geschickt an sich zu binden. Einen neuen Kunden zu gewinnen, ist immer noch 5x so teuer. Vielleicht sollte Herr Kind mal auf seine Marketingabteilung hören...
Sorry, kleiner Exkurs aufgrund der Steilvorlage von Bemeh. Der eigentliche Grund, weshalb ich mich nun doch hier einschalte, ist dieWochenendbeilage der HAZ und NP. Der „7.Tag“ vom 16.2. dreht sich nämlich um die Ultras, und ich habe vergeblich gesucht, ob in unserem Forum jemand dazu eine Meinung geäußert hat.
Die Beilage macht allein schon durch die Bildauswahl negative Stimmung: ein Riesentitelbild mit Pyros, ein Banner mit „F...t euch, Bullenschweine“, der Polizeieinsatz in Achim, Polizisten während des Spiels, und der Kapo, der Stimmung macht. Keine Bilder von den schönen Choreos. Schon bevor ich überhaupt zu Lesen angefangen habe, war ich sauer. Nicht auszudenken, welche Stimmung durch diese Bilder bei den nicht fußballaffinen Lesern geweckt wird.
Dann der Text – ein Interview mit einem Hamburger Fan, denn „alle Anfragen in Hannover waren vergeblich“, da sich die Ultras auch von den Medien ungerecht behandelt fühlten. Der Artikel selbst ist dann nicht soooo schlecht, aber natürlich einseitig und gefährlich halbinformativ. Er taugt weder zur Information für Leser, die mit Fußball wenig am Hut haben noch als Vermittlungsversuch zwischen Ultras und dem Rest der Welt.
Vertane Lesezeit. Verpaßte Chance. Alles doof. Ich sitze hier und schaue ohnmächtig zu wie das, was mir lieb und wichtig ist, um mich herum zerfällt, ohne das ich etwas daran ändern kann.