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 1998 - die wahre Geschichte und Kinds Verdienste Moderations-Bereich
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 Betreff des Beitrags: 1998 - die wahre Geschichte und Kinds Verdienste
BeitragVerfasst: 28.04.2018 06:14 

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Was war los 1998? War der Verein wirklich pleite und wie hat er sich daraus befreit?
Als Grundlage für diesen Faden habe ich mir die tranfermarkt-Story zum Thema ausgesucht. Ich finde sie informativ, bunt und teilweise sehr anrührend.

Es kommen Zeitzeugen, die wir alle schätzen - insbesondere Spieler und Trainer - zu Wort. Aber auch Martin Kind kommt ausführlich zu Wort und seine Tätigkeit wird sehr neutral gewürdigt (statt verteufelt), was für viele durchaus wohltuend sein dürfte.

Daher empfehle ich jedem, der an der damaligen Situation interessiert ist, die Lektüre. Es hat mir vor zwei Jahren richtig Spass gemacht all dies zu lesen.

Nach diesem Eingangspost stelle ich mir vor, dass wir weitere Informationen zusammentragen, um ein möglichst unstreitiges Bild von Hannover 96 damals bis heute zu erstellen.

Gewissermassen eine gemeinsame Faktenbasis (so gut es geht), jedenfalls frei von fake-news, auf deren Grundlage wir in den anderen Threads trefflich streiten können.

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Zuletzt geändert von Kuhburger am 28.04.2018 06:24, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: 1998 - die wahre Geschichte und Kinds Verdienste
BeitragVerfasst: 28.04.2018 06:23 

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So.

Dann will ich mal anfangen. Und zwar mit der erwähnten transfermarkt-story.

Die Vorgeschichte - Cottbus und der Sommer danach
https://www.transfermarkt.de/hannover-9 ... ?kapitel=1

Der Kader
https://www.transfermarkt.de/hannover-9 ... ?kapitel=2

Die Übermannschaft
https://www.transfermarkt.de/hannover-9 ... ?kapitel=3

Die Causa Claassen und der Beginn der Ära Kind
https://www.transfermarkt.de/hannover-9 ... ?kapitel=4

Eintracht Braunschweig
https://www.transfermarkt.de/hannover-9 ... ?kapitel=5

TeBe Berlin - Der Gegner
https://www.transfermarkt.de/hannover-9 ... ?kapitel=6

Fanz und Gerber – Die Macher
https://www.transfermarkt.de/hannover-9 ... ?kapitel=7

„Wo wäre 96 heute?“ - Der Grundstein und die Zukunft
https://www.transfermarkt.de/hannover-9 ... ?kapitel=8

Viel Spass beim Lesen. :flag962:

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 Betreff des Beitrags: Re: 1998 - die wahre Geschichte und Kinds Verdienste
BeitragVerfasst: 30.04.2018 06:44 

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Hat noch jemand Informationen zu der damaligen Situation (98/99)?

Bisher sieht es so aus (korrigiert mich, wenn ich falsch liege):

Der Verein war nicht konkurs, aber unter handelsrechtlichen Gesichtspunkten (Claasen, Kind) überschuldet und er hatte Zahlungsschwierigkeiten (Liquidität).

Hierzu muss man wissen, dass die handelsrechtliche Überschuldung stark mit dem Wert des Kaders zusammenhängt: Ein erfolgloser Kader = nix wert, dazu das Gegenteil - ein erfolgreicher Kader = wertvoll (sehr vereinfacht ausgedrückt; ist natürlich auch abhängig von Ligazugehörigkeit und Alter der Spieler).

Nun passierte Folgendes:

Der Kader, aus der Not geboren, wurde mit jungen, vielfach eigenen Talenten aufgestockt und spielte zwei erfolgreiche Regionalligasaisons. Das Team erzielte über sportliche Leistungen in Relegation und Pokal gute Einnahmen. Auch Spielerverkäufe wurden getätigt, die in der Summe Millionen in die Kasse brachten (Fanz).

Die S&S wiederum half indem sie dem Verein 2,7 Mio DM für die Markenrechte gab (versehen mit einer Rückkaufoption zu gleichem Preis).

Und das bedeutet, dass die damalige Entschuldung des Vereins eine Kombination aus Einnahmen durch sportlichen Erfolg, Transfererlösen und Einnahmen aus dem Verkauf der Markenrechte an die S&S war.

Was ich nicht weiß:

Hat die S&S damals noch zusätzlich Darlehn an den Verein gegeben? Weiß das jemand?

Jedenfalls ist die Annahme falsch, der Verein wäre damals allein durch das Kapital der S&S gerettet worden. - Der Verein hat durch gute sportliche Arbeit (Fanz, Gerber, im Nachwuchsbereich Slomka) sehr stark mitgeholfen, um aus der Talsohle zu kommen.

Man könnte auch sagen:

Ohne den sportlichen Erfolg, hätte die S&S sehr viel tiefer (um ein mehrfaches) in die Tasche greifen müssen. Wohlgemerkt: Ich berichte hier von dem Zeitraum vor der Ausgliederung von Profis und Jugendmannschaften in die KGaA.

Ist das bis hierhin korrekt oder hat jemand andere Informationen?

Wenn das so ist, dann liegt Martin Kinds Leistung 98/99 hier:

- 2,7 Mio DM der S&S an den Verein (Markenrechte)
- Stabilität nach aussen gegenüber Kreditoren, aber auch gegenüber Sponsoren und Werbepartnern
- Ruhe im Vereiin, was der sportlichen Leitung erfolgreiches Arbeiten ermöglichte (mit Abstrichen)

Falsch ist jedoch die Annahme, das Martin Kind den Verein erst auf einen sportlich erfolgreichen Weg gebracht hätte.

Auf diesem Weg waren Gerber, Fanz und Slomka bereits unterwegs als Kind das Steuer übernahm.

Kinds herausragende Leistung damals war für mich, dass er Ruhe in den Verein gebracht hat, ein seriöses Auftreten nach aussen hatte und damit die Kreditoren ruhig stellte und somit den sportlich Verantwortlichen den Rücken frei gehalten hat.

Auch gehörten negative Schlagzeilen über Bodyguards für den Präsidenten oder Chaostage à la Schlacht am Büffet der Vergangenheit an. Und ich glaube, dass hat auf uns alle sehr positiv gewirkt.

Und nicht vergessen: Er tat dies als Präsident des Vereins. Damals haben wir uns alle hinter ihm versammelt!

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 Betreff des Beitrags: Re: 1998 - die wahre Geschichte und Kinds Verdienste
BeitragVerfasst: 30.04.2018 09:02 

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Moin kuhburger
Zu 96% kann ich das was du geschrieben hast auch unterschreiben.
Aus meiner Erinnerung war 96 schon immer chaotisch( in meiner Wahrnehmung seit 1962)
Allerdings habe ich Hannover 1974 verlassen und nur noch durch die Erzählungen meiner Brüder und die Medien Verbindung zu 96 halten können.
Ein anderer User beschimpfte eine Userin weil Sie geschrieben hatte das nach Kind das gleiche Chaos wieder Einzug halten könnte.
Und das ist ein Punkt der ohne weiteres (leider) zutreffen könnte.

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 Betreff des Beitrags: Re: 1998 - die wahre Geschichte und Kinds Verdienste
BeitragVerfasst: 30.04.2018 09:25 
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Der Klub und der Verein haben 2005/2006 11 Monate ohne Kind überstanden. Er meinte damals, seine Mission sei abgeschlossen. :roll:

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„Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft.“

Jean Paul Sartre


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 Betreff des Beitrags: Re: 1998 - die wahre Geschichte und Kinds Verdienste
BeitragVerfasst: 30.04.2018 10:39 
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Warnemünder hat geschrieben:
Moin kuhburger
Zu 96% kann ich das was du geschrieben hast auch unterschreiben.
Aus meiner Erinnerung war 96 schon immer chaotisch( in meiner Wahrnehmung seit 1962)
Allerdings habe ich Hannover 1974 verlassen und nur noch durch die Erzählungen meiner Brüder und die Medien Verbindung zu 96 halten können.
Ein anderer User beschimpfte eine Userin weil Sie geschrieben hatte das nach Kind das gleiche Chaos wieder Einzug halten könnte.
Und das ist ein Punkt der ohne weiteres (leider) zutreffen könnte.


Du bist ja doch wieder aktiv, obwohl Du geschrieben hattest raus zu sein.

Ich denke, Du hast dich hier im März nur angemeldet, um Propaganda für Herrn Kind zu machen.

Über 100 Beiträge in der Zeit lassen nicht darauf schließen, dass dich die Sache nur am Rande interessiert.


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 Betreff des Beitrags: Re: 1998 - die wahre Geschichte und Kinds Verdienste
BeitragVerfasst: 30.04.2018 12:01 

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Ich möchte zum Thema zurückkommen. :wink:

Der nächste Schritt war die Ausgliederung von Profi- und Jugendmannschaften in die KGaA.

Die KGaA wurde gegründet und die KGaA war nach meinem Wissen schuldenfrei.

Die S&S stellte 2,5 Mio + einen Keks zur Verfügung = 51% an der KGaA.
Der Verein stellte Liegenschaft, Ausstattung, Profi- und Jugendmannschaften, sowie die Rückkaufoption an den Markenrechten zur Verfügung. - Bewertung: 2,5 Mio - einen Keks = 49% an der KGaA.

Und hier ergeben sich Fragen:

Ganz allgemein: Wie kam die Bewertung zustande?

Im Speziellen:

1. In der Mannschaft spielten u.a.: Jens Rasiewski, Kreso Kovcec, Gerald Asamoah, Volkan Arslan, Vladan Milovanovic, Boris Besovic, Hakan Bicici, Carsten Linke, Bastian Reinhardt, Fahed Demech, Otto Addo, Jörg Sievers, Raphael Schäfer, Heinz Müller, Dieter Hecking, Fabian Ernst.

Wieviel waren allein diese wohl wert?

Hinzukommen Dutzendweise Jugendspieler wie z.B. Per Mertesacker...

Man kann die Mannschaft - handelsrechtlich korrekt - zu Buchwerten (Niedrigstwerten) bewerten. Dafür gibt es eine Reihe guter Gründe: Z.B. kann ein Spieler durch Verletzung Invalide werden, dann ist sein Transferwert = null. Ein Spieler kann auch überhaupt nicht verkauft werden und verläßt den Verein irgendwann ablösefrei.

Aber andersrum betrachtet:

Was hätte die S&S eigentlich für einen Kostenaufwand gehabt, wenn sie diese Mannschaft zusammengestellt hätte aus dem Nichts?!?

Und:

Hätte der Verein nicht wenigstens im Falle von Transfererlösen von Spielern, die er in die KGaA eingebracht hat, einen entsprechenden Kapitalbetrag gutgeschrieben werden müssen?

Hier haben wir die ersten Kritikpunkte an der Arbeit des Vereinspräsidenten Martin Kind! Bewertung des Kaders einerseits und keine Gutschrift (Anteilserhöhung des Vereins an KGaA), wenn stille Reserven (Spielerwerte), die der Verein in das gemeinsame Unternehmen eingebracht hat, zu zusätzlichen Einnahmen (Transfererlöse) führten. - Hier hat der damalige Vereinsvorstand mindestens geschlampt. - Das Problem:

Diese Art der "Schlamperei" zieht sich wie ein roter Faden auch durch die folgenden Jahre:

- Mertesackerverkauf, Einnahme 4,5 Mio mittlerweile Euro
- Kapitalerhöhung in der KGaA (Anteil des Vereins sinkt um 10%, weil die S&S drei Mio einzahlt, aber die 4,5 Mio für Mertesacker werden "aufgeschnupft")
- Auskauf des Vereins für 3,5 Mio für 15% (!) der Anteile


Ich wage mal die Behauptung, wenn dies alles korrekt verrechnet worden wäre, dann hätte der Verein heute noch in etwa den gleichen Anteil an der KGaA wie die S&S. - Und da sind die Markenrechte noch nicht einmal berücksichtigt.

Aber weiter im Text.

2. Hat der Verein sämtliche gewachsenen Strukturen eingebracht, als da wären:

- Vereinsgelände
- Trainerstäbe und Funktionsteams
- alle Angestellten vom Platzwart über Geschäftsstelle bis zum Busfahrer
- sämtliche Trainingseinrichtungen über Deuserband, Gewichte, Hütchen etc. bis hin zu Wäsche und Geschäftsausstattung.

Hätte die S&S allein dies aus dem Boden stampfen müssen, wäre sie auch hier nicht mit 2,5 Mio ausgekommen.

3. Und gern vollständig übersehen: Der Verein brachte eine Spiellizenz für die 2. Liga mit. Allein die Einnahmen aus TV-Rechten stellen einen erheblichen Wert dar. Dies wurde meines Wissens überhaupt nicht, also analog der Rückkaufoption Markenrechte bewertet.

Fazit:

Bei der Gründung der gemeinsamen KGaA hat der Verein ziemlich schlecht abgeschnitten.

Wahrscheinlich wäre es eher korrekt gewesen, die eingebrachten Vereinswerte mit rund 10 Mio zu bewerten - und zwar ohne die Rückkaufoption an den Markenrechten.
Die S&S hätte demnach rund 10 Mio (+ einen Keks) einzahlen müssen um die Mehrheit an der KGaA zu erlangen oder der Vereinsanteil wäre eben höher gewesen.

Bei der Ausgliederung hat der Vereinspräsident weder im Interesse des Vereins gehandelt (zu geringe Bewertung des Vereinsvermögens) noch hat er als Investor der KGaA genügend Geld zur Verfügung gestellt, damit der Kader aufgewertet werden kann.

Man kann es nicht genug betonen: In der damaligen Zeit haben die sportlich Verantwortlichen fast Wunderdinge bewirkt... :wink:

to be continued ...

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 Betreff des Beitrags: Re: 1998 - die wahre Geschichte und Kinds Verdienste
BeitragVerfasst: 30.04.2018 12:30 

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@ Kuhburger

Vielen Dank für die Zusammenstellung der Fakten zur Aufarbeitung des Themas.
Einiges war mir noch in Erinnerung, aber das Hintergrundwissen um die Zusammenhänge zur damaligen Zeit fehlte doch.
Lesenswerte Beiträge ,wie ich finde


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 Betreff des Beitrags: Re: 1998 - die wahre Geschichte und Kinds Verdienste
BeitragVerfasst: 30.04.2018 12:40 

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Danke, Hanno. Aber ich weise darauf hin, dass dies meinem aktuellen Wissensstand entspricht. Wenn jemand noch über Fakten oder Richtigstellungen verfügt, wäre es toll, wenn er es hier postet. Es geht mir "deutlich" :wink: um die Versachlichung der Diskussion und dass wir möglichst alle in etwa ähnlichen Wissensstand haben.

Und nochmal ganz persönlich:

In den Regionalliga- und Zweiteligasaisons war ich mit ganz, ganz heißem Herzen Roter und Martin Kind war mein Präsident!

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Zuletzt geändert von Kuhburger am 30.04.2018 12:45, insgesamt 2-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: 1998 - die wahre Geschichte und Kinds Verdienste
BeitragVerfasst: 30.04.2018 12:40 

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Kuhburger hat geschrieben:
Ich möchte zum Thema zurückkommen. :wink:
...

Danke

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 Betreff des Beitrags: Re: 1998 - die wahre Geschichte und Kinds Verdienste
BeitragVerfasst: 30.04.2018 13:03 

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@kuhburger
Deine letzten Ausführungen haben etwas sehr positives für mich.
Du stellst nicht alles als Fakt dar sondern als deine Recherche.
Die Zeit lag nunmal nach meinem Abschied von Hannover so das ich hier auf fremde Informationen angewiesen bin.
Und wenn dann diese Informationen mit hasstiraden (du bist nicht gemeint) gespickt sind dann rutscht die Glaubwürdigkeit in den tiefsten Keller.
:flag962:

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 Betreff des Beitrags: Re: 1998 - die wahre Geschichte und Kinds Verdienste
BeitragVerfasst: 30.04.2018 13:27 

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Drei kurze Fragen, die mir noch nicht so ganz erklärlich sind, bei all den Gesellschaften...

1. wer war 2006 (oder früher) Darlehensgeber für den Kredit über 2,227 Mio Euro? Immerhin wurde mit dem Darlehensgeber vereinbart, dass auf die Rückzahlung jährlich zu 1/10 bzw. 1/9 verzichtet wurde.
2. Wer war Darlehensgeber für die 2006 zusätzlich benötigten 557.000 Euro? Auch hier wurde vom Darlehensgeber auf eine Rückzahlung verzichtet.
3. Wer war Darlehensgeber für die 2006-2010 benötigten 5,113 Mio Euro?

War das Alles die S&S?

2012 soll es Gespräche zwischen Martin Kind und dem Oberbürgermeister gegeben haben, den Pachtvertrag für die Arena in einen Erbbaurchtsvertrag umzuwandeln. Ist es nur bei Gesprächen geblieben? Oder ist der Vertrag umgewandelt worden?

Welche Rolle spielet in dem ganzen Geflecht die 96 Sportanlagenverwaltungs GmbH, warum musste/wurde die lequidiert um neu gegründet zu werden?


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 Betreff des Beitrags: Re: 1998 - die wahre Geschichte und Kinds Verdienste
BeitragVerfasst: 30.04.2018 13:30 
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Wieviel es für Fahed Dermech gab, ließ sich auf die Schnelle nicht ermitteln. Aber für Kreso Kovacec gab es 650000 DM von TeBe.

Aus dem Nachbarforum:
Nun, für die kompletten KGaA-Anteile hat die S&S insgesamt 15,248 Mio. Euro ausgegegeben. Martin Kind persönlich gar nichts. Der hat letztlich nur die S&S "gefördert".

Die Ausgliederungsbilanz vom 30.06.99 weist eine Überschuldung des ausgegliederten Bereichs von 313.000 Mark aus. Bilanzsumme 4,937 Mio. DM. Dafür gab es 1,252 Mio. Aktien (= 49 %) im Wert von 2,44 Mio. DM.

Waren da Grundstücke überhaupt dabei? Ich denke nicht. Sowohl das Nds als auch alles an der Eilenriede gehörten der Stadt. Bis auf das Vereinsheim, das der Verein aber auch behalten hat.

Übertragen wurden insbesondere:
- Anteil an der DFL Marketing-GmbH zum Nennwert (25 TDM)
- Aktivierte Spielerablösen (1.438 TDM) (also nur gekaufte nicht abgeschriebene Spieler)
- Forderungen (1.365 TDM) (vermutlich überwiegend TV und Sponsoring)
- DFB-Lizenzkaution (500 TDM)
- Bankguthaben (1.517 TDM)
- "Rechnungsabgrenzungsposten" (bitte googeln, 29 TDM)
- Das Rückkaufrecht für die Markenrechte (unbewertet)
- Passiva, insbesondere Verbindlichkeiten und Rückstellungen (grob 4.500 TDM)

Bei den Rückstellungen könnte man nochmal genauer hinschauen, was da vielleicht später aufgelöst wurde. Ansonsten aber war die ausgegliederte Fußballsparte bilanziell unter dem Strich ziemlich wertlos. Stille Reserven kommen natürlich hinzu.

Von allen Deals war das vielleicht der am wenigsten schlechte für den Verein (naja, nach dem ursprünglichen Markenrechtsdeal). 96 war damals Zweitliga-Aufsteiger.

https://www.mopo.de/dienstag-21-12-1999 ... s-19094746

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BeitragVerfasst: 30.04.2018 13:54 
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Zum Stadion:
Wikipedia hat geschrieben:
Der Umbau erfolgte im Rahmen eines Konzessionsmodells. Die Niedersachsenstadion Projekt- und Betriebsgesellschaft mbH & Co KG (später Hannover 96 Arena GmbH & Co KG) erhielt als Konzessionärin bis 2030 die Nutzungsrechte am Stadion und ist bis dahin für den Umbau und den Betrieb zuständig. Das Land Niedersachsen, die Region Hannover und die Stadt Hannover unterstützten den Umbau mit 21,47 Millionen Euro. Eigentümerin der Hannover 96 Arena GmbH & Co KG ist die Hannover 96 Sales & Service GmbH & Co KG.[7][1]

https://e-government.hannover-stadt.de/lhhsimwebre.nsf/DS/2694-2002N1

In der Drucksache steht, Ways & Freytag und die S&S als Bietergemeinschaft die Konzession erhalten hat. Nach der Fertigstellung schied die Baufirma aus der Bietergemeinschaft aus und die S&S hat seitdem die Konzession allein.

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 Betreff des Beitrags: Re: 1998 - die wahre Geschichte und Kinds Verdienste
BeitragVerfasst: 30.04.2018 19:35 

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Herr Rossi, die Zahlen des Kollegen aus dem Fanmag sind interessant (danke fürs Einstellen), sagen aber zu wenig über die Bewertungsmethode. Der Knackpunkt sind die Werte der Spieler und aber auch die Werte von Inventar und Ausrüstung (vermutlich nur Buchwerte - also eine Erinnerungsmark - und dass passt bei keinem Massagetisch, Fitnessgerät oder medizinischen Ausstattung (nur mal so als Beispiel).

Man hätte dann die Werte buchmäßig korrekt verwendet, aber dem Verein trotzdem einen Schaden zugefügt. Der besagte Massagetisch steht mit 1 DM in den Büchern. Gekostet hat er aber (mal als Beispiel) 800 DM und wäre gebraucht noch 400 DM wert.

Ich glaube, wenn ich Präsident gewesen wäre und jeder von Euch auch (!), hätte eine komplette Inventarliste angelegt und diese mit Zeitwerten (!) versehen. Und mit dieser Zeitwertliste wäre ich in die Verhandlungen mit den Investoren gegangen.

Hintergrund für meine Hartnäckigkeit in dieser Sache:

Mir kann niemand erzählen, dass Hannover 96 1999 nur 2,5 Millionen DM wert gewesen wäre.

Die Mannschaft alleine schon, aber dazu die gesamte Ausstattung eines großen Fußballvereins - fürs Training, fürs Spiel, für die Sicherheit, für medizinische Betreuung und Fitness und das ganze für mehrere Mannschaften... und dann die Lizenz zum Gelddrucken dazu (Beteiligung Markenpool und damit Einnahmen aus Vermarktung z.B. TV-Rechte) - also die Lizenz für den Spielbetrieb. Die allein dürfte 2,5 Mio wert gewesen sein, wenn nicht mehr.

Versteht Ihr, worauf ich hinaus will?

Jeder hier im Forum hätte vermutlich eine deutlich :wink: härtere Verhandlung mit der S&S geführt! Nach dem Motto: Jungs, Ihr wollt mit der S&S in die KGaA? Ihr wollt eine ähnliche hohe Beteiligung wie der Stammverein? Gut, dann kostet das 10 Mio und Ihr bekommt 51%.

Nur mal so als Gedankenexperiment. Und dieses Geld hätte sofort sehr viel bessere Startmöglichkeiten ins Ligageschäft ermöglicht. Darum geht es, zumal sich dieses Muster in der Zukunft (EL Saisons) wiederholt hat...

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Zuletzt geändert von Kuhburger am 03.05.2018 08:25, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: 1998 - die wahre Geschichte und Kinds Verdienste
BeitragVerfasst: 30.04.2018 20:06 

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Kuhburger hat geschrieben:
Ich wage mal die Behauptung, wenn dies alles korrekt verrechnet worden wäre, dann hätte der Verein heute noch in etwa den gleichen Anteil an der KGaA wie die S&S. - Und da sind die Markenrechte noch nicht einmal berücksichtigt.



Das ist auch meine Vermutung und meine massive Kritik. Du bist da schon auf der richtigen Spur. Und nur darum geht es, das muss vereinsintern aufgeklärt werden, ohne wenn und aber.
Ein Verein ist weder Eigentum des Präsidenten noch ein Selbstbedienungsladen. "Präsident" ist ein Ehrenamt ohne Vergütung und ohne Ansprüche (außer Ruhm und Ehre).


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 Betreff des Beitrags: Re: 1998 - die wahre Geschichte und Kinds Verdienste
BeitragVerfasst: 30.04.2018 20:30 
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Natürlich sind das Buchwerte und natürlich gab es stille Reserven (500000 DM für das Klubhaus und 250000 DM für die Mannschaft). Den Marktwert wirst Du bei Tranfermarkt nicht finden. Teilweise findest Du Transfers ein ? oder waren ablösefrei, Cherundolo hat allein 250000 DM Ablöse gekostet.

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 Betreff des Beitrags: Re: 1998 - die wahre Geschichte und Kinds Verdienste
BeitragVerfasst: 30.04.2018 20:44 
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Beissing hat geschrieben:
Drei kurze Fragen, die mir noch nicht so ganz erklärlich sind, bei all den Gesellschaften...

1. wer war 2006 (oder früher) Darlehensgeber für den Kredit über 2,227 Mio Euro? Immerhin wurde mit dem Darlehensgeber vereinbart, dass auf die Rückzahlung jährlich zu 1/10 bzw. 1/9 verzichtet wurde.
2. Wer war Darlehensgeber für die 2006 zusätzlich benötigten 557.000 Euro? Auch hier wurde vom Darlehensgeber auf eine Rückzahlung verzichtet.
3. Wer war Darlehensgeber für die 2006-2010 benötigten 5,113 Mio Euro?

War das Alles die S&S?

Du meinst wahrscheinlich Kredite der KGaA, an der der Verein damals noch beteiligt war. Hier betrachten wir nur den Verein ohne die Beteiligung. Aber es gab einen älteren zinslosen Millionenkredit der S&S (?), der beim Verkauf der letzten Anteile des Vereins an der KGaA mit 700000 € komplett getilgt wurde.

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BeitragVerfasst: 03.05.2018 08:53 

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So, ich nehme den Faden jetzt nochmal auf.

In der Zeit vor dem Aufstieg in die zweite Liga hat Martin Kind den Verein auf Kurs gehalten. Er hat finanzielle Abenteuer verhindert und hat für Ruhe im Verein gesorgt. Gleichwohl gab es auf Funktionärsebene Leute, die gegen das sportlich erfolgreiche Duo Fanz/Gerber geschossen haben. Ich könnte mir lebhaft vorstellen, dass ihn dieser "Vielklang" im Verein ihn abgestoßen und genervt hat - so etwas war er aus seinem Unternehmen nicht gewohnt. Eine Lösung, diesen "Scheiss" zu beenden - die Ausgliederung von Profi- und Jugendmannschaften. Ich könnte mir vorstellen, dass ein Motiv für die Ausgliederung war, diese wichtigste Abteilung des Vereins "führbar" zu machen (... alles hört auf mein Kommando ...).

Dem Verein hat die Führung durch Martin Kind damals in wirtschaftlicher Hinsicht gut getan. Hinzukam dass der sportliche Erfolg die Kassenlage entspannte (Zuschauereinnahmen, Pokal) und der Aufstieg Zugang zu den TV-Geldern verschaffte. Auch wurde 96 wieder für Sponsoren und Werbetreibende interessanter.

Gleichzeitig sorgte Martin Kind dafür, dass der Spieleretat niedrig blieb (ich glaube einer der kleinsten in Liga 2). Das ging, weil man sehr viele junge Spieler im Kader hatte. Das sollte man nicht vergessen. - Man wurde trotzdem Vierter in der Liga. Beinah der Durchmarsch in die Liga 1.

Wieviel Geld die S&S in dieser Phase dem Verein zur Verfügung stellte, weiß ich nicht. Wir wissen von 2,7 Mio DM für die Markenrechte (wie Ihr wißt, versehen mit der Rückkaufoption), es mögen auch Darlehn gegeben worden sein - das weiß ich jedoch nicht sicher.

Eine klassische Förderung im Sinne der späteren DFL-Richtlinien habe ich nicht finden können.


Im Grunde war diese Zeit geprägt von wirtschaftlicher Gesundung und gleichzeitigen sportlichen Erfolg. Martin Kinds Beitrag war wichtig, aber der Beitrag der sportlich Verantwortlichen war mindestens gleichrangig, würde ich rückblickend sagen.

Ein weiterer Baustein - jetzt in einem größeren zeitlichen Rahmen, so etwa ab Ausgliederung 1999 bis 2006 - sind auch Einnahmen aus Spielerverkäufen. Hier finde ich die Spielerverkäufe besonders interessant, die aus dem Fundus der stillen Reserven stammte, den der Verein in die (gemeinsame) KGaA einbrachte. Hier muss man auch die Jugendspieler beachten, die später den Durchbruch schafften. Prominentes Beispiel: Per Mertesacker.

Inklusive Mertesacker dürften die Einnahmen (umgerechnet auf DM) bei rund 12 bis 13 Mio gelegen haben.

Diese Transfererlöse haben keinen Niederschlag im Beteiligungsverhältnis der KGaA zwischen S&S und Verein gefunden.

Das ist aus meiner Sicht rätselhaft. Wenn ich in eine gemeinsame Unternehmung stille Reserven einbringe, dann erwarte ich auch eine entsprechende Berücksichtigung, wenn sie realisiert werden, sie zu zusätzlichen Einnahmen führen.

Ich halte diesen Umstand für den ersten wesentlichen Kritikpunkt an der Arbeit von Martin Kind als Vereinspräsident. Es ist gewissermassen das erste Mal, dass Kind und die S&S unangemessen profitieren und der Verein leer ausgeht.

Ein Muster, welches sich später wiederholen soll.

P.S.: Wenn jemand andere Informationen, dann bitte posten!

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„Und Sie, Herr Lienen, haben Sie früher auch mal Fußball gespielt?“


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 Betreff des Beitrags: Re: 1998 - die wahre Geschichte und Kinds Verdienste
BeitragVerfasst: 03.05.2018 09:20 

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Wenn ich das so lese dann hat Martin Kind für den profifussball in Hannover die Voraussetzungen geschaffenerfolgreich zu sein.
Wenn ich hier manche seiner Gegner lese können wir froh sein das wir trotz Martin Kind erfolgreich sind.
Bei 96 war es auch früher schon so das sich viele sehr gerne im Erfolg der Profis gesonnt haben.
Und jeder wollte mitbestimmen. Da gab es manch legendäre Diskussionen im Messe Hotel.

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Cool 1896er ignoriert mich.
Cool Ein Anwalt erwähnt meine PN


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