Leider haben wir unsere Spass an Neuem, an Innovativem, an Veränderungen verloren: wir bauen für knapp 1 Milliarde ein Opernhaus, meckern drüber und haben dann nur noch überwiegend asiatische Musiker, die darin spielen, wir bekommen für viele Milliarden keinen Flugplatz gebaut... und wir regen uns auf, dass wir Schienen bis zu einem Tunnel bezahlen müssen, den die Dänen uns bauen. Apropos Dänen (bzw. Skandinavien): dorthin scheint das Visionäre, das uns Deutsche mal ausgezeichnet hat nach dem Krieg, ausgewandert zu sein - und da ist dieser Tunnel ein gutes Beispiel: darüber meckert man nicht in Dänemark und spaltet Haare, sondern man sieht die Vision, die Chance, dass hier Grosses für die Ökologie, die Ökonomie und für Europa erreicht werden wird.
Natürlich weiss niemand, wie lange die Akkus der E-Fahrzeuge (und damit auch der Fahrräder...
Und hast Du Dir mal angeschaut, welches Möglichkeiten des Recyclings es heute schon gibt - im Gegensatz übrigens zu den Abfallstoffen, die Dein mit fossilen Energien betriebenes Fahrzeug tagtäglich in die Umwelt entlässt?
Natürlich ist es sinnvoll, dass Leasingfahrzeuge durch neue Leasingfahrzeuge ersetzt werden; komm doch mal weg von Deiner individualisierten Sicht und betrachte es zum einen unter einem volkswirtschaftlichen, zum Anderen unter einem ökologischen Aspekt: je älter ein Fahrzeug ist, umso weniger Wirkungsgrad hat es und umso umweltschädlicher ist es. Darüber hinaus sichern lange Intervalle natürlich keine Arbeitsplätze, egal, ob da nun Autos mit Verbrennungsmotoren oder mit E-Motoren produziert werden. Und will man den Fahrzeugbestand verändern - also hin zu energieeffizienteren, vielleicht sogar CO2-neutralen Fahrzeugen, dann geht das eben nur, in dem man oben neue Fahrzeuge in den Markt bringt, die unten alte Fahrzeuge in die Verschrottung drängen. Aber genau dieser Entwicklung stehst Du im Weg, offensichtlich, weil Du sie nicht sehen willst.
Dein Argument Car-Sharing geht insoweit am Thema vorbei, weil es ja auch da darum geht, wie die gefahrenen Kilometer sich ökologisch auswirken - ausser, Du setzt auf den Punkt, dass beim Car-Sharing sich die Gesamtkilometerzahl reduzieren könnte. Dies mag sein, löst aber ja am Konflikt E-Auto Ja oder Nein nichts. Und darüber hinaus: mit einer solchen Argumentation hängst Du in einem Flächenland wie Niedersachsen einen grossen Teil der Bevölkerung schlicht ab, denn in der Fläche gibt es weder ein akzeptables Nahverkehrsangebot noch die Möglichkeit des Aufbaus eines nachhaltigen und wirtschaftlich tragfähigen Car-Sharing-Systems.
Es gibt allerdings eine riesige Nachfrage nach Fahrzeugen, die an mehr als 300 Tagen im Jahr weniger als 200km pro Tag genutzt werden. Ja, tatsächlich, Zweitfahrzeuge... auf die entfällt hier im ländlichen Raum ein sehr grosser Teil des Verkehrsaufkommens, und die Umstellung dieses Bereichs auf E-Fahrzeuge würde Deutschland massiv näher an die selbst gesteckten und grandios gerissenen Klimaziele bringen... und genau dazu brauchst Du nun einmal kostengünstige = gebrauchte E-Fahrzeuge einer angemessenen Grösse (1 Erwachsener + 1-2 Kinder im Tagestransport).
In der Fläche gibt es auch riesige Möglichkeiten der Stromgewinnung, man müsste sie nur nutzen - doch man versucht die Innovation ja sogar zu verhindern und zerstörte damit mehr als 100.000 Arbeitsplätze (schönen Gruss an die Kumpel im Braunkohleabbau!).
Ach ja, die Stromverteilung: da fahren wir jahrelang unsere Stromnetzinfrastruktur auf Abbruch, damit die Energiekonzerne jedes Jahre neue Gewinne vermelden können und sich einige wenige Aktionäre die Taschen vollmachen können, und jetzt beweinen wir unser unflexibles, marodes Stromnetz, für dessen Sanierung angeblich kein Geld da sein soll - wahrscheinlich, weil wir die dafür nötigen Milliarden in Bankensanierungen gesteckt haben... Merke: die Zurverfügungstellung von Infrastruktur (Strom, Wasser, Verkehr, Gesundheit, Sicherheit und Ordnung) sind originäre Staatsaufgaben, die nicht nach Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten beurteilt werden müssen, sondern nach vollständiger und gleicher Befriedigung in allen Bereichen des Staates - und das haben sich keine bösen Kommunisten und Kapitalistenhasser ausgedacht, sondern die Väter unseres Grundgesetzes (die aus unserer Eltern/Grosselterngeneration, die noch Visionen hatten).
Deine Bemerkung bzgl. des E-Bikes nehme ich mal humoristisch - warte ab, was wir in sehr naher Zukunft an Problemen mit den riesigen Bergen an Akkus aus diesen Bikes und den "lustigen" Rollern bekommen werden (bzw. schon haben): tatsächlich gibt es nämlich einen massiven Unterschied zwischen diesen Akkus und denjenigen in PKWs, aber ich denke, Du weisst das.
PS: Tatsächlich werden E-Fahrzeuge nicht der einzige Stein der Weisen sein, um einen klimaneutralen Individualverkehr in Deutschland zu realisieren. Aber da ist ja wieder das obengenannte Phänomen: wir scheinen nicht mehr bereit zu sein, innovativ zu denken... wobei es hier ja nur verlangen würde, zu akzeptieren, dass nicht jede Mobilität mit demselben Antrieb funktionieren kann.
Ich zB. gehe derzeit davon aus, dass ich (ebenfalls derzeit) nur unseren Familienzweitwagen auf E-Betrieb umrüsten kann. Hybride sind der Weg des neuen deutschen Denkens (möglichst kompliziert und teuer, damit es ja keiner nutzt), und Wasserstoff möchte weder die Wirtschaft noch die Politik in Deutschland - und hängt sich so grandios von der internationalen Entwicklung ab (zB. wird der Schiffsverkehr nur über Wasserstoffantriebe funktionieren, aber Schiffe und Schiffsantriebe ist ja sowieso ein Wirtschaftszweig, in dem wir jeglichen Anspruch ebenso aufgegeben haben wie im IT-Bereich - Alles zugunsten der Automobilindustrie, an der wir inzwischen hängen wie am Tropf!). Bleibt also in bestimmten Bereichen kurzfristig tatsächlich nur der Weg eines sparsamen Verbrenners.