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 Joachim Löw Moderations-Bereich
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 Betreff des Beitrags: Joachim Löw
BeitragVerfasst: 14.11.2007 10:20 
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Im Kicker ist ein sehr schönes und interessantes Interview mit Jogi Löw zu lesen, in dem dieser plausibel darlegt, woran es der Bundesliga im internationalen Vergleich mangelt:

Zitat:
kicker: Herr Löw, die Fans sind nach dem Europacup-Debakel frustriert und suchen nach Gründen. Wissen Sie, warum die Vereine international nicht mithalten können?

Joachim Löw: Wenn alle Mannschaften ohne Verletzungen sind, wenn alle Spieler ihre bestmöglichen Leistungen abrufen können, hat man schon eine Chance, international mitzuhalten. Gibt es jedoch Ausfälle, wird es schwierig, weil die Ausgeglichenheit im Kader nicht vorhanden ist.

kicker: Die Klubs klagen reflexartig über zu wenig Geld und zu viel Stress. Macht man es sich da nicht zu einfach?

Löw: Absolut richtig. Wir werden in Deutschland nicht das Geld eines Roman Abramovich haben. Trotzdem können wir mit Mannschaften wie Chelsea mithalten. Dazu brauchen wir aber alle die Bereitschaft, nach anderen Gründen zu suchen. Denn diese Gründe gibt es.

kicker: Welche sind das?

Löw: Es sind die elementaren Dinge. Wir machen seit fast einem Jahr Untersuchungen in den verschiedensten Bereichen: Zweikampfverhalten, Passschnelligkeit, Passpräzision, Ballannahme und -mitnahme, Lauftempo, und so weiter. Wir haben mittlerweile eine Datenbank, die unglaublich gute Erkenntnisse liefert. Und daraus lässt sich relativ leicht beweisen, auf welchem internationalen Standard eine Mannschaft steht.

kicker: Woran bemessen Sie internationalen Standard?

Löw: Ein Beispiel: Man muss nur mal analysieren, wie viele Tore Mannschaften nach Freistößen kassieren, wie viele völlig unnötige Fouls vorangingen. Ein solch schlechtes Zweikampfverhalten muss abgestellt werden, das ist elementar. Bei ganz großen Mannschaften sind diese Dinge enorm gut ausgeprägt. Die Spieler machen kaum Fehler in den einfachen Dingen. Da müssen wir ansetzen, und zwar schon in der Ausbildung.

kicker: Wie soll dies geschehen?

Löw: Man darf nicht einmal tolerieren, wenn ein kleiner Fehler passiert. Korrigieren, korrigieren, auf den Fehler hinweisen. Immer wieder. Wie beim Klavierspielen.

kicker: Wie bitte?

Löw: Da muss auch darauf geachtet werden, dass ich von Anfang an jeden Ton richtig spiele. Wenn ich falsche Töne akzeptiere, wird das Ganze nie stimmig. Nur wenn alle Töne hundertprozentig sitzen, bin ich in der Lage, ein tolles Konzert zu spielen. Diese Beharrlichkeit in der Ausbildung ist enorm wichtig für die Trainer.

kicker: Fehlt es daran in Deutschland?

Löw: Es liegt mir fern, die Bundesliga kritisieren oder belehren zu wollen. Jeder ist für seine Arbeit verantwortlich und muss sie strategisch so ausrichten, wie er sie für richtig hält. Aber richtig ist natürlich auch, dass dies ein Thema für die Trainer- ausbildung im Allgemeinen ist. In diesem Bereich brauchen wir eine nachhaltige Optimierung, Matthias Sammer arbeitet akribisch an diesem Thema.

kicker: Karl-Heinz Rummenigge oder Dieter Hoeneß beklagen, die Bundesliga sei wirtschaftlich nicht international konkurrenzfähig.

Löw: Mein Ansatz ist der: Wir dürfen nicht als Fakt stehen lassen, dass andere Nationen mehr Geld haben. Möglicherweise haben andere Vereine auch deshalb mehr Geld, weil sie konzeptionell wahnsinnig gut arbeiten. Und weil Investoren vielleicht lieber da investieren, wo sie Konzepte, Kontinuität und eine Philosophie sehen. Geld kommt nur, wenn ein gutes Konzept vorhanden ist. Und nebenbei: Auch mit bescheidenen Mitteln kann man unheimlich gut arbeiten.

kicker: Wie meinen Sie das?

Löw: Das Wichtigste ist eine Philosophie: Welchen Trainer brauche ich dafür, welche Spieler, was sind die Etappenziele, welchen Fußball möchte ich spielen? Und das Zweitwichtigste ist die konsequente Umsetzung dieser Philosophie. Wenn ein Verein dreimal im Jahr den Trainer wechselt und völlig unterschiedliche Trainerpersönlichkeiten mit unterschiedlichen Philosophien holt, ist das keine konsequente Umsetzung.

kicker: Die Nationalmannschaft brauchte zwei Jahre, um auf internationaler Ebene den Rückstand wettzumachen. Wie lange benötigt die Bundesliga, um zu den führenden Klubs aufzuschließen?

Löw: Das weiß ich nicht. Wir haben die Spieler relativ wenig bei uns, können aber sagen, dass wir bei uns Fortschritte gemacht haben. Wir haben in den vergangenen zwei Jahren klare Aufgabenstellungen an die Spieler ausgegeben, ihnen gesagt, was wir erwarten und was wir nicht tolerieren. Durch diese Automatisierung haben sie gespürt, dass wir schnellen, offensiven Fußball spielen wollen. Unsere Spieler haben inzwischen die Überzeugung, dass sie einen Gegner dominieren können. Unabhängig davon, ob wir zu Hause oder auswärts spielen. Das ist unsere Philosophie, die verfolgen wir mit aller Konsequenz


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BeitragVerfasst: 21.01.2008 21:02 
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Ergebnisse der kicker-Leserumfrage Teil 2:
kicker.de hat geschrieben:
Benoten Sie den Stellenwert der deutschen Nationalmannschaft im internationalen Vergleich
1 20,08%
2 64,43%
3 10,72%
4 1,88%
5 2,30%
6 0,59%
Notenschnitt: 2,04

Topwert für die Nationalelf: In keiner aller kicker-Umfragen seit 2001 wurde die Nationaelf so gut gesehen.
Der Vergleich:
2007: 2,11;
2006: 2,72;
2005: 2,61;
2004: 3,11;
2003: 2,37;
2002: 2,91;
2001: 2,4.

Benoten Sie die Arbeit von Bundestrainer Joachim Löw
1 40,20%
2 49,12%
3 6,25%
4 1,43%
5 1,83%
6 1,17%
Notenschnitt: 1,79

Löw besser als Klinsmann und Völler: Die Arbeit von Joachim Löw wird noch besser beurteilt als die seiner Vorgänger Jürgen Klinsmann und Rudi Völler. Die bisherige Bestnote (1,82) hatte Völler nach der Vize-Weltmeisterschaft 2002 erhalten.
Der Vergleich:
2007: Note 1,95 (Löw);
2006: 2,45 (Jürgen Klinsmann);
2005: 2,0 (Jürgen Klinsmann);
2004: 2,52 (Rudi Völler);
2003: 1,82 (Rudi Völler).

http://www.kicker.de/news/fussball/nati ... 6/seite/2/


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BeitragVerfasst: 03.06.2008 23:56 
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Joachim Löw wurde in verschiedenen Freds umfassend kritisiert wegen der Zusammenstellung des Kaders. Die allgemeine Zufriedenheit mit seiner Arbeit ist aber nach wie vor hoch: im kicker-EM-Barometer (Mai) liegt sein Notenschnitt mit 2,62 zwar schlechter, aber immernoch gut:
kicker hat geschrieben:
1 19,18%
2 37,97
3 22,05
4 9,83
5 4,38
6 6,59

Ich finde, er hat bisher sehr viel richtig gemacht. Hoffen wir, dass ihm auch der Start in die EM gelingt und er die richtigen Entscheidungen für die Startelf trifft.

Positiv hervorzuheben sind meiner Meinung nach:
1. die frühe und sichere EM-Quali, mit unerwartet guten Spielen gegen starke Gegner,
2. damit verbunden die geniale Kompensation verletzungsbedingter Ausfälle im DFB-Team über Monate hinweg,
3. Hildebrand trotz Lobby aufgrund seiner Leistung (so sehe ich es) nicht zur EM mitgenommen zu haben, Enke aufgrund seiner Leistung aber auch ohne Lobby;
4. die starke Ausweitung des erweiterten Kaders, darunter (neben vielen anderen ) zuletzt die "Entdeckung" von Marin für die Nationalelf.

Kritisch sehe ich:
1. Lehmann hat für eine EM eigentlich zu wenig Spielpraxis. Für einen Wechsel ist es aber nun zu längst spät.
2. Das Casting hätte nicht sein müssen. Trochowski hätte ich nicht mitgenommen, Jones gar nicht erst zum Casting eingeladen.
3. Man hätte vermutlich (nichts genaues weiß man nicht) Hildebrand besser auf sein bevorstehendes Aus vorbereiten können.


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BeitragVerfasst: 04.06.2008 09:27 
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Dieses Thema interessiert mich, weil wir im niederländischen Fußball genau im gleichen Boot sind, meiner nach.

Persönlich finde ich, dass der Artikel von Kai es gut auf dem Punkt bringt. Ich habe das Gefühl, dass es sich besonders um die Trainingsmethoden handelt. Ein frühe Quali bringt nichts, wenn das Zweikampfverhalten (und dadurch viele Freistöße vergeben werden) nicht stimmt. Dadurch spielt man eine EM auch nicht besser.

Übrigens auch bemerkenswert, dass England sich gar nicht erst qualifiziert hat. Vielleicht ist die Lage ihrer Nationalmannschaft noch (weitaus) schlimmer als die Lage der deutschen oder niederländischen Nationalmannschaft.

Übrigens auch interessant: In der Niederlande gibt es immer die Diskussion um das 4-3-3 System. Van Basten spielt, genauso wie sein Schützer Johan Cruijff, gerne dieses System. Das hat nicht so ganz funktioniert.

Nach einer Diskussion mit den wichtigsten Führungsspielern, hat er sich für das 4-5-1 System entschieden, ganz nach Hannoverschem Vorbild...

Edit: Oh Mist, jetzt habe ich die ganze Taktik verraten :?


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BeitragVerfasst: 04.06.2008 12:06 
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Ja, ein sehr aufschlussreiches Interview.

Besonders erfrischend finde ich Löws mehrfach geäußerten Hinweis, dass auch ohne Abramowitsch-Kohle guter Fußball gespielt werden kann (könnte).


Edit
Ach Guus, mach’ Dir keinen Kopp. Taktikfragen spielen für Holland nur vordergründig eine so wichtige Rolle. In Wahrheit besiegen sich die Jungs doch immer selbst.

Eine schöne Tradition. 8)


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BeitragVerfasst: 04.06.2008 14:00 
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El Filigrano hat geschrieben:
Ja, ein sehr aufschlussreiches Interview.

Besonders erfrischend finde ich Löws mehrfach geäußerten Hinweis, dass auch ohne Abramowitsch-Kohle guter Fußball gespielt werden kann (könnte).


Edit
Ach Guus, mach’ Dir keinen Kopp. Taktikfragen spielen für Holland nur vordergründig eine so wichtige Rolle. In Wahrheit besiegen sich die Jungs doch immer selbst.

Eine schöne Tradition. 8)


Hoffnung macht übrigens auch, dass Löw sagt Geld alleine macht nicht glücklich. Der gleiche Meinung bin ich auch. Mir fällt auf, dass Fußball heutzutage eine echte Wissenschaft ist. Ich frage mich manchmal ob das alle in der Niederlande und Deutschland schon begriffen haben.


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BeitragVerfasst: 04.06.2008 19:31 
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Ina Müller, die für das Fernsehen oft von dern niedersächsischen Tiefebene berichtet und Bauern zu Bäuerinnen verhelfen will, hat vor kurzem bei JBK ein paar bemerkenswerte Dinge gesagt. Zunächst hat sie sich als Fußballfan und "-fachfrau" zu verstehen gegeben (leider da für die Knödeltruppe für den falschen Verein), dann sagte sie mit 1896% Überzeugung, im Fußball gehe es um Inhalte. Donnerwetter!! Mailand oder Madrid, hauptsache Spanien oder was? :wink:


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BeitragVerfasst: 04.06.2008 23:44 
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Ich habe ja in der Hildebrand/Enke-Sache das meiner Meinung nach hierbei ursächliche Leistungsprinzip gelobt... dieser Autor sieht es am Beispiel Lehmann/Metzelder genau anders herum:
11freunde oder Der Tagesspiegel hat geschrieben:
Montag den 02.06.2008 10:42
1. FC Deutschland

Kontinuität, Familiengeist, Abschaffung des Leistungsprinzips: Joachim Löw führt die deutsche Nationalmannschaft wie einen idyllischen Provinzverein. Doch gerade dadurch treten Qualitäten zu Tage, die kein anderes EM-Team hat.
Es ist keine völlig überraschende Nachricht, dass Joachim Löw von seiner Mannschaft in hohem Maße überzeugt ist. Überraschend ist höchstens, wie hoch dieses Maß inzwischen ist. In der vergangenen Woche wurde der Bundestrainer gefragt, wie denn ein Spiel zwischen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und Chelsea oder Manchester United ausgehen würde. Löw antwortete: »Das würde für uns jedenfalls nicht einfach.« Diese vollkommen vermessene Ansicht sagt alles über das Selbstverständnis des Bundestrainers.

Chelsea und Manchester standen gerade im Finale der Champions League, sie sind die stärksten Klubs Europas, sie haben die besseren Einzelspieler als die Deutschen, und sie funktionieren zwangsläufig auch als Mannschaft besser als ein Team, das jeden Monat nur ein paar Tage zusammen trainieren kann. Wenn Löw trotzdem Chancen sieht, liegt das daran, dass die deutsche von allen Nationalmannschaften der Welt am ehesten wie eine Vereinsmannschaft funktioniert.

Das war schon bei der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren so, als die Deutschen praktisch immer mit denselben elf Spielern antraten und einen Grad an Eingespieltheit erreichten, der den der Konkurrenz deutlich übertraf. Generell hat Jürgen Klinsmann noch dem Leistungsprinzip gehuldigt, aber schon damals war etwas angelegt, was unter seinem Nachfolger zur vollen Entfaltung kam. Löw hat das Leistungsprinzip abgeschafft, er hat Jens Lehmann eine weitreichende Einsatzgarantie ausgestellt, obwohl der bei Arsenal nur Ersatz war, genauso Christoph Metzelder, der sich gerade höchst langsam an das internationale Niveau herantastet und gegen Serbien erneut zeigte, dass er es wohl nicht rechtzeitig schafft.

Beide werden bei der EM spielen – weil Löw das Funktionieren des Ganzen über einzelne Spieler stellt. Und das muss ja nicht das schlechteste Prinzip sein.

gefunden in: Der Tagesspiegel

http://www.11freunde.de/international/111796

Das Fazit aber ist ja wieder versöhnlich ;)


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BeitragVerfasst: 27.06.2008 00:00 
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Die Bewertung von Löws Arbeit in den Medien hat sich noch nicht wirklich verstetigt: Erst mangelnder Mut, dann Mut zum Mut... man kann aber denke ich jetzt schon sagen, dass Löw viele richtige Entscheidungen getroffen hat. Dazu bei spiegel.de:
spiegel.de hat geschrieben:
NATIONALTRAINER LÖW
Der Unwichtigtuer
Aus Tenero berichten Cathrin Gilbert und Christian Gödecke

Der Einzug ins EM-Finale ist der bisher größte Erfolg für Joachim Löw. Der Bundestrainer hat Mut bewiesen, sich wandelbar gezeigt, nicht zu wichtig genommen - im Gegenteil: Vor allem Michael Ballack gestattete er Einfluss. Nun muss dieser das Vertrauen nur noch zurückzahlen.

Als Massimo Busacca die deutsche Mannschaft mit seiner Pfeife erlöst, als Thomas Hitzlsperger in die Luft springt und Philipp Lahm von Bastian Schweinsteiger umarmt wird, da fängt Angela Merkel wieder an zu atmen. Die Bundeskanzlerin steht auf der Ehrentribüne des Basler St.-Jakob-Parks in ihrem grauen Blazer, sie lächelt und pustet tief durch. Später gesteht sie: "Ich habe die Luft während des Spiels angehalten."

Nun wissen wir also: Dieser schwer erkämpfte und glückliche 3:2-(1:1)-Erfolg Deutschlands im Halbfinale gegen die Türkei war sogar gesundheitsgefährdend. Er ließ in diesem Land kollektiv den Atem stocken.

Auch Bundestrainer Joachim Löw japste nach dem Spiel nach Luft und Superlativen. Einen "Wahnsinnskampf auf Biegen und Brechen" hatte er gesehen, einen "Wahnsinnsfight mit unglaublicher Dramaturgie", er sprach von "großer Moral" und "Willen". Dann wischte er sich den Schweiß von der Stirn und lächelte.

Es ist nach diesem Spiel viel über die Wandelbarkeit dieser Mannschaft geschrieben worden. Weil sie immer anders auftrat als erwartet und trotzdem gewann. Weil sie Glück hatte und doch das in Jahrzehnten gewachsene Image einer Turniermannschaft mit neuem Leben füllte.

Aber wer spricht eigentlich von Löw?

Das Finale ist auch der Erfolg des Bundestrainers und seiner Wandelbarkeit. Löw hat Mut bewiesen, als er ein jahrelang erprobtes 4-4-2-System auflöste und durch ein 4-2-3-1 ersetzte. Er hat Coaching-Fähigkeiten bewiesen, weil er seinen Spielern auch erfolgreich vermittelte, dass es ihm dabei gar nicht um das System ging. Sondern um die Art und Weise, wie die DFB-Kicker es ausfüllen. Und Löw hat Konsequenz gezeigt, als er den angeschlagenen Torsten Frings gegen die Türkei zunächst auf der Bank ließ.

Löw ist so bei seinem ersten großen Turnier gleich ins Endspiel eingezogen und hat den Erfolg Jürgen Klinsmanns bei der WM übertroffen. In einem EM-Turnier, das wegen seiner Leistungsdichte als das schwierigste der Welt gilt. Nicht ohne Stolz wies der Bundestrainer schon nach dem Viertelfinale darauf hin, dass Deutschland das einzige Land sei, das sowohl im Halbfinale der WM 2006 als auch im EM-Halbfinale stehe.

Löw hat viele richtige Entscheidungen getroffen. Die wichtigste war aber die, sich nicht zu wichtig zu nehmen.


Es ist der Moment, in dem die Kanzlerin durchatmet, als Löw von Michael Ballack in den Arm genommen wird. Der Kapitän drückt den Bundestrainer an sich, die Sekunden verstreichen. Dann flüstern sich die beiden etwas ins Ohr und klatschen sich ab. "Wir haben uns gegenseitig beglückwünscht", verrät Ballack später dem Reporter des ZDF.

Die Umarmung in Basel wurde zum sichtbaren Zeichen des besonderen Verhältnisses zwischen Löw und seinem Führungsspieler. Ballack war schon vor dem Portugal-Spiel von seinem Coach in die Beratungen um einen Systemwechsel einbezogen worden. Und Ballacks Fürsprache für das 4-2-3-1 spielte auch im Türkei-Spiel eine große Rolle. "Ich wollte in der zweiten Halbzeit einen zweiten Stürmer einwechseln, weil ich gemerkt habe, dass es so nicht richtig passt", sagte Löw nach dem Spiel.

Im Gegensatz zur blamablen Vorrundenniederlage gegen Kroatien (1:2), als er noch den enttäuschenden David Odonkor einwechselte, entschied er sich aber dagegen. "Wir hatten im Mittelfeld einige Lücken, brauchten dort die fünf Leute. Hätten wir das System aufgegeben, hätten wir vielleicht nicht bis zum Ende so erfolgreich verteidigen können", erklärte Löw. Und offenbarte damit sein Vertrauen auf den Ratschlag des Kapitäns.

Das besondere Verhältnis der beiden wurde auch am Tag nach dem Spiel deutlich. Nicht in Gesten oder Worten - sondern im Schweigen. Zur schwachen Leistung Ballacks gegen die Türkei wollte sich Löw nicht äußern, er lobte stattdessen Torsten Frings ("toller Charakter") und Bastian Schweinsteiger ("großartiges Laufpensum"). Löw weiß, dass Ballack sein Vertrauen gegen Portugal zurückgezahlt hat. Und hofft, dass der Kapitän es auch im Finale tun wird.

Und Ballack weiß, dass das der Preis ist für das Vertrauen des Bundestrainers.

http://www.spiegel.de/sport/fussball/0, ... 71,00.html

Was der Artikel natürlich ausblendet sind die vielen Dinge, die man kritisieren kann (z.B. Lehmann, Metzelder, Marin, das Casting insgesamt). Alles in allem gibt ihm der Erfolg aber natürlich recht. Also: Daumen hoch! :nuke:


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BeitragVerfasst: 30.06.2008 17:56 

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Finde, der Jogi Löw hat bei dieser EM manche Fehlentscheidung getroffen.
Die Entwicklung der Mannschaft ist negativ.
Ein Endspiel wie gestern auf diese schlaffe Weise zu vergeigen, dazu gehört schon etwas. Und dafür ist auch der Trainer verantwortlich.

Unser einzig gutes Spiel bei der EM war gegen Portugal.
Zufall, daß der Jogi Löw bei diesem Spiel gefehlt hat?

Ich frage ja nur.



.


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runner hat geschrieben:
Finde, der Jogi Löw hat bei dieser EM manche Fehlentscheidung getroffen.
Die Entwicklung der Mannschaft ist negativ.
Ein Endspiel wie gestern auf diese schlaffe Weise zu vergeigen, dazu gehört schon etwas. Und dafür ist auch der Trainer verantwortlich.

Unser einzig gutes Spiel bei der EM war gegen Portugal.
Zufall, daß der Jogi Löw bei diesem Spiel gefehlt hat?

Ich frage ja nur.



.



Deine > hauseigenen < Hilfesteller (le croix und eduard der stier) können darauf sicherlich antworten. :mrgreen: :hallo:


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BeitragVerfasst: 09.07.2008 16:31 

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In einem anderen Thread (Die Mannschaft - Robert Enke) gab es zwei Posts, die meiner Meinung nach auch hier hereingehören und die ich gerne kommentieren möchte.
Runner hat Folgendes geschrieben:
„Löw hat eine grottige Trainerleistung geliefert bei dieser EM, unter aller Sau. Seit anderthalb Jahren ist die Nationalmannschaft im Negativtrend, bei der EM ist sie nur dank der schwachen gegnerischen Torwartleistungen (Portugal, Türkei) weiter gekommen, die Personalpolitik von Löw (Metzelder, Mertesacker, Odonkor undsoweiter) hat dem Leistungsprinzip Hohn gesprochen. Löws Reputation als guter Trainer lebt maßgeblich davon, daß die Medien ihn zart anpacken, vor allem diese langbeinige Moderatorin, mit der er nach den Spielen immer rumturtelt.

Damit wird aber Schluß sein, wenn wir in der WM-Quali, wie es kommen wird, hinter den Sowjets landen.

Schluß mit Löw, dem Geringkönner!“

Kev188 hat Folgendes geschrieben:

„Wenn es beim DFB mal nach Leistung gehen würde,stände eine komplett andere Elf auf dem Platz,aber der Einfluss der Medien scheint stärker als gedacht...wie bei so nem dritte Welt Land...“

Dann wüsste ich aber doch gerne einmal: Wie sieht denn diese komplett andere Elf aus? Soo viele Alternativen gibt es doch nun wirklich nicht - außer auf der Torhüterposition. Und das mit dem Einfluß der Medien - ist der nicht gerade bei einer Fußballgroßmacht wie Italien noch deutlich stärker?

Und @ runner: Einverstanden: Metzelder hat wirklich das ganze Turnier eher schlecht als gut gespielt, aber wieso hältst Du auch Mertesacker für eine Fehlbesetzung von Löw? Und Odonkor hat er nach dem einen schlechten Auftritt gegen Kroatien ja dann auch nicht mehr gebracht. Und ich glaube auch einfach nicht, daß gegen Spanien wirklich mehr drin gewesen wäre: Die sind ja nun wirklich zu Recht Europameister geworden, und wir können froh sein, daß sie uns nicht so an die Wand gespielt haben wie in der zweiten Halbzeit die Russen.

_________________
Hoffentlich kann Kenan Kocak zaubern!


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Du willst das echt mit denen diskutieren, ja?

Viel Spaß. :dance:


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Oh man.. :roll:

_________________
Man wehrt sich gegen die Vorstellung einer Welt, in der man nicht das Gefühl haben kann, irgendwie "gemeint" zu sein. Der Mensch, der erkennt, möchte erkannt sein, nicht nur vom anderen Menschen, sondern von einem sinngesättigten Kosmos


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Naja, sie wollen ja anscheinend auch nicht!

(aber wie die 'komplett andere Elf' ausgesehen hätte, hätte mich schon interessiert)

_________________
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Lohnt sich eh nicht, das zu hinterfragen ...

... da käme zu viel Dünnes. ;)

(das poste ich mal nicht verbildlicht)


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Ich bin ehrlich gesagt nicht so begeister von JL. Löw macht natürlich nicht alles falsch. Unter dem Strich wird man schließlich auch nach den Erfolgen bewertet. Und da stehen bei Löw als Co-Trainer ein Platz 3 beim Conded-Cup, ein weiterer dritter Platz bei der WM und ein zweiter beim bisher einzigen Turnier als Cheftrainer. Aber der Hype um die Nationalmannschaft und um seine Person ist doch arg übertrieben. Ganz besonders beim EM-Spiel gegen Kroatien hatte ich das Gefühl, dass Löw einige Spieler, die er für gut empfindet auch wenn sie nicht richtig in die Spielweise passten, in die Mannschaft reinpresste. Teilweise sah es auch so aus, als wollte er die WM Taktik wieder aufleben lassen, was aber besonders aufgrund des Ausfalles von Schneider von vornherein kaum möglich erschien. Dazu waren auch noch Schweinsteiger und auch Frings nicht in WM Form. Wenn er schon diese Spielweise aufleben lassen hätte wollen, hätte er einen kreativen Spieler, der Schneider ersetzen hätte können nominieren müssen. Als Marin nominiert wurde, dachte ich dies wäre wohl auch dem Trainerteam aufgegangen, auch wenn sehr kurzfristig für einen international völlig unerfahrenen Zweitligaspieler. Überraschend wurde Marin dann letztendlich doch noch zu Hause gelassen. Seltsam genug. Besonders wenn man stattdessen einen Trochowski, der bis dahin kein einziges gutes Länderspiel bestritten hat und noch nicht einmal in Hamburg unumstrittener Stammspieler war, mitnimmt. Wann hätte der spielen sollen? Nicht umsonst war er neben Westermann der einzige Feldspieler ohne eine einzige Minute auf dem Feld bei der EM. Doch diese Tatsache führt auch schon zum nächsten Kardinalfehler Löws: Warum wird Odonkor, der Mann der zwei Jahre von seiner Schnelligkeit und einer einzigen Flanke lebte, nominiert und spielt auch noch? Als wenn das nicht schon genug wäre, spielte er als rechter Verteidiger (!). Fritz wird im rechten Mittelfeld eingesetzt, wo er bei Bremen de Facto kaum bis nie gespielt hat. Podolski wird im linken Mittelfeld eingesetzt, wo er für die Nationalmannschaft einmal und für Bayern zweimal, bevor der Versuch für gescheitert erklärt wurde. Dies wurde dann auch noch dadurch verschlimmert, dass Jansen, der über weite Strecken wie ein verkappter Mittelfeldspieler wirkte und damit Podolski zusätzlich zu sagen schien: "Geh nach vorne, ich bin jetzt LM.". So spielten wir quasi mit drei Stürmern (nebenbei bemerkt: Ein formschwacher Klose und ein, sich während der EM in ein tiefschwarzes Loch spielende Gomez) und drei Verteidigern, wobei die Innenverteidigung auch nicht besonders wackelfest und generell nicht besonders schnell war und einem Torwart ohne Spielpraxis. Gegen einen stärkeren Gegner als die, bis auf Torwart Boruc, durchgehend enttäuschenden Polen, hätten wir durchaus Federn lassen können.

Generell schien es so, als würde es keinen gerechten Konkurrenzkampf geben. Warum war ein Miroslav Klose, der sich seit eineinhalb Jahren in einem absoluten Dauerformtief, unumstrittener Stammspieler? Warum steht Lehmann, der mehr als eine Saison kaum mehr als nur Reservist im Verein war und sich trotz düsterer Aussichten im Winter gegen einen möglichen Vereinswechsel entscheidet, im Tor? Man hätte ihm sagen können: "Jens, wir haben genug super Torhüter in Deutschland: Enke, Adler, Wiese, Hildebrand, Rost, Weidenfeller. Wenn du nicht zügig dafür sorgst, dass du auch im Verein Spielpraxis bekommst, findet die EM ohne dich statt.". Eventuell hinzuzählen müsste man auch Metzelder, der verletzungsbedingt seit der WM kaum gespielt hatte. Alternativen hätte es in Heiko Westermann oder Arne Friedrich durchaus gegeben. Aber trotzdem spielte Metzelder - und das alles andere als sicher, womit er auch dazu beitrug, dass Per überfordert war. Außerdem hatte beinahe das gesamte Team augenscheinlich körperliche Defizite. Und da zählt die "lange, kräfteraubende Saison" nicht als Ausrede. Der Löwenanteil der anderen Teams hatte eine mindestens genau so lange Saison (und teilweise auch noch zwei Teams mehr in der Liga). Dabei betonte Löw stets, dass die Spieler "auf den Punkt" fit sein würden. Dementsprechend wurde seine eigene Zielsetzung verfehlt.

Doch wer kritisiert muss auch loben können: Die Taktik und Aufstellung gegen Portugal war sehr gelungen. Das neu eingebrachte 4-2-3-1 System, das während des Spiels flexibel auch 4-4-2 oder 4-3-3 umgestellt werden könnte, führte dazu, dass Ballack sich endlich auch wieder offensiv einschalten können, wie bei der Nationalmannschaft schon lange nicht mehr. Dies war vorallem dadurch bedingt mir Hitzlsperger und Rolfes zwei DM aufzustellen, die nicht nur zerstört haben. Hitzlspeger strahlt besonders durch seine schussstärke offensivgefahr aus und Rolfes leistete exzellentes Aufbauspiel. Nicht umsonst haben wir eine der ansich stärksten Mannschaften des Turniers aus dem Wettbewerb geworfen. Doch leider war das Spiel das einzige, das mich vollends überzeugte. (Jenes gegen Polen wurde meiner Meinung nach von den Medien maßlos überschätzt). Gegen die Türkei gefiel mir zumindest der Kampfgeist bis zum Ende.

Im Moment stört mich wieder vor allem der fehlende Konkurrenzkampf. Das Frings auf der Bank sitzt ist angesichts der bisher schwachen Leistungen im Verein vollkommen verständlich. Aber warum spielen dann Podolski und Klose, die bisher fast nur enttäuschten anstatt Torschützenlistenanführer Helmes? Natürlich kann man sagen: "Klose war in der Nationalelf zuletzt treffsicher und Podolski war dort auch stets besser als im Verein.". Aber wie lässt sich das mit Frings' Verbannung auf die Bank aufgrund schlechter Leistungen im Verein vereinbaren. Und warum spielt statt Rolfes ein in der Nationalmannschaft meist enttäuschender Trochowski (auch wenn ich bei ihm eine steigende Tendenz zugeben muss, aber stark sah ich ihn trotz des Tores gestern übrigens auch nicht) und ein Hitzlsperger, der im direkten Vergleich zu Rolfes momentan auch sicherlich im Hintertreffen liegt?


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Christian Günther hat geschrieben:
Seltsam genug. Besonders wenn man stattdessen einen Trochowski, der bis dahin kein einziges gutes Länderspiel bestritten hat und noch nicht einmal in Hamburg unumstrittener Stammspieler war, mitnimmt


Ähhh, ich kann nicht ganz folgen. :noidea:

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BeitragVerfasst: 03.04.2009 23:30 
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Interessanter Artikel zur Nationalelf bzw. zum Wirken von Jogi Löw in den letzten drei Jahren auf Spiegel Online:
spiegel.de hat geschrieben:
03.04.2009
NATIONALMANNSCHAFT 2009
Modern im Kopf
Von Christoph Ruf

Schnell, direkt, konsequent: So soll die DFB-Auswahl spielen - wenn es nach Nationalcoach Joachim Löw geht. Nur an der Umsetzung hapert es noch, genauso wie am Verhältnis des Trainers mit seinen Bundesliga-Kollegen. Doch das Löw-Team wird den deutschen Fans noch viel Spaß bereiten.

Im April 2006 saß Joachim Löw, damals noch Co-Trainer von Jürgen Klinsmann, in einem bequemen Sessel im 12. Stock eines Hochhauses am Freiburger Hauptbahnhof. Kaum hatte er sich gesetzt, brachte ihm der Kellner einen Aschenbecher - man kennt sich in Südbaden.

Löw kam gleich zur Sache, zu seiner Sache: der Spielphilosophie für die deutsche Nationalmannschaft. Nach wenigen Sekunden war den Zuhörern klar, dass sie dem Mann gegenübersaßen, der für die fußballerischen Inhalte des späteren Sommermärchens zuständig war. Der damalige Trainernovize Klinsmann dagegen steuerte Rhetorik, Gesicht und Charisma bei.

Sprach Löw vom "blitzschnellen" Umschalten nach der Balleroberung, zog er das "i" in "blitzschnell" mit einer Intensität in die Länge, als wolle er ein Kaugummi über eine mehrspurige Straße spannen. Illustrierte er das "Ausschwärmen in der Vorwärtsbewegung", öffnete er die Faust und spreizte die Finger, bis das Weiß auf den Knöcheln sichtbar wurde.

Wer heute, knapp drei Jahre später, die Nationalspieler auf das Geschehen auf dem Platz anspricht, merkt schnell, wie sehr sie verinnerlicht haben, was Löw und sein kongenialer Co-Trainer Hans-Dieter Flick von ihnen verlangen. Hohes Tempo, schnelles Passspiel, konsequentes Forechecking. Auch im Kabinentrakt des Cardiffer Millenniumstadions gab sich nach dem 2:0-Arbeitssieg gegen Wales mancher Spieler zerknirscht. Dass Löw von ihnen verlangt, das hohe Tempo auch nach einer beruhigenden Führung zu halten, muss in der Pause unüberhörbar gewesen sein.

Wie die deutsche Nationalmannschaft seit der Einmottung des Rumpelfußballs spielen will, weiß man mittlerweile. Das allein ist schon ein großer Fortschritt, wurde doch in langen Jahren vorher eher unattraktiver Ergebnisfußball geboten. Das Problem an der Spielphilosophie von Löw und Flick ist allerdings kein kleines: Man sieht ihre Umsetzung zu selten auf dem Platz.

Das Spiel gegen Russland in Dortmund war einer jener raren Momente, in denen das Publikum vom Enthusiasmus auf dem Platz angesteckt wurde, auch die erste Viertelstunde im Spiel gegen Liechtenstein war intensiv geführt. Ansonsten mutete die Nationalmannschaft den Fans allerdings oft ein ziemlich gemächliches Ballgeschiebe zu - zuletzt beim 0:1 gegen Norwegen.

Da ist es auch kein echter Trost, dass das DFB-Team offenbar zwei Gesichter hat: Ein reichlich verschlafenes bei Testspielen und ein aufgewecktes, wenn es um Punkte geht. Der Eindruck bleibt, dass die DFB-Verantwortlichen rhetorisch weiter sind als ihre Mannschaft auf dem Platz.

Genau dieser Eindruck belastet auch die Autorität Löws in der Liga. Den Vorwurf der Besserwisserei, den mancher Trainer öffentlich und einige mehr unter dem Siegel der Verschwiegenheit erheben, wendet sich zwar zumeist nicht gegen ihn, sondern gegen den als nassforsch empfundenen Teammanager Bierhoff.

Im Kern speist er sich jedoch aus der Beobachtung, dass - was das spielerische Niveau angeht - Anspruch und Wirklichkeit bei der Nationalelf allzu oft auseinanderklaffen. Warum man allerdings beleidigt aufheulen muss, wenn Löw die doch ziemlich banale Feststellung wiederholt, in der Premier League werde der Ball schneller weiter verarbeitet, erklärt sich dadurch nicht. Zumal beim DFB keiner bestreitet, dass in der Spitzengruppe der Bundesliga bei manchem Team attraktiver, moderner Fußball gespielt wird, wie in der Hinrunde Hoffenheim und Leverkusen nachwiesen.

Immerhin: Die Ergebnisse stimmen auch unter Löw. Bei der EM, seinem ersten großem Turnier, holte man bekanntlich einen zweiten Platz und überzeugte in mancher Partie auch spielerisch, die Ausbeute in der WM-Qualifikation mit 16 von 18 möglichen Punkten ist fast schon makellos.

Und auch beim Ziel des passsicheren Tempofußballs besteht Anlass zur Hoffnung. Stück für Stück hat Löw in den vergangenen Monaten und Jahren Spieler herangezogen, die zumindest alle Voraussetzungen dafür mitbringen, exakt so zu spielen. Mittelfeldakteur Simon Rolfes mag hin und wieder abtauchen - er ist und bleibt der ideale Sechser für das schnelle Kombinationsspiel. Gleiches gilt für Serdar Tasci - einen modernen Innenverteidiger, der sich etwas zutraut - und Andreas Beck, der über kurz oder lang seine Nervosität ablegen wird und dann das lang ersehnte offensive Pendant für Weltklassemann Lahm werden könnte.

Eines ist klar: Man kann seit einiger Zeit wieder mit Spannung und einer gewissen Vorfreude auf die Entwicklung der deutschen Nationalmannschaft schauen. Wer hätte das noch vor fünf, sechs Jahren behauptet?

http://www.spiegel.de/sport/fussball/0, ... 39,00.html


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BeitragVerfasst: 19.05.2009 20:14 
jedesmal aufs neue schenkt löw einem weiteren , neuen stuttgart-spieler die chance in der dfb-elf .
wie viele kommen eigentlich noch dazu :roll:
langsam ist dies wirklich lächerlich .
bei der heutigen nominierung kommt schulz wieder nicht ins aufgebot ...
schade dfb !

gruß
der rote rächer


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