Ich gehörte zu denen, die sich durch die letzten Bundesligaauftritte unter Daniel Stendel halbwegs versöhnen ließen und tatsächlich auch "Bock" auf diese Saison in der 2. Liga hatten.
Durch die gelungenen Abschiedsauftritte in der ersten Liga war ich auch recht zuversichtlich, daß der Aufstieg gelingen könnte, 96 zusammen mit dem VfB Stuttgart einer der ersten Anwärter für einen der beiden ersten Plätze seien könnte.
Nach einer für unsere Verhältnisse halbwegs gelungenen Vorbereitung und dem Kantersieg auf dem Betzenberg war die Stimmung im Umfeld nahezu durchweg positiv und selbst eine Liga tiefer fanden die Spiele vor großer Kulisse statt.
Nach und nach wurde jedoch die Stimmung durch die immer schlechter und lähmender werdenden Auftritte unserer Roten getrübt.
Am Anfang fand ich es noch ganz unterhaltsam, Harakiri Fußball zu sehen. Die Auftritte gegen Fürth und Dresden oder in Bielefeld und Bochum waren zwar reichlich chaotisch, aber wenigstens ein Spektakel. Meistens haben auch noch die Ergebnisse gestimmt.
Zum Ende der Hinrunde wurde es dann leider immer zäher. Gute Offensivaktionen wurden immer seltener, nur unsere Defensive spielte weiterhin Tag der offenen Tür.
Daß wir zum Ende der Hinrunde noch aussichtsreich im Rennen lagen, verdanken wir einerseits Tschauner bzw. der Abschlußschwäche der Gegner und der durchaus vorhandenen individuellen Klasse unserer Offensivspieler. Die mannschaftlich geschlossen beste Spiele waren ausgerechnet die Partie beim direkten Konkurrenten VfB und mit abstrichen beim BTSV.
In der Winterpause muß irgend etwas passiert sein im Umfeld von Trainer und Mannschaft, da man in den ersten Auswärtsbegegnungen der Rückrunde nicht mehr den in der Hinrunde noch beschworenen Teamgeist und Siegeswillen sehen konnte.
Um die Aufstiegschancen aufrecht zu erhalten gab es den legendären Rundumschlag mit Entlassung von Bader/Möckel/Stendel und der gleichzeitigen Verpflichtung von Heldt und Breitenreiter.
Der Wechsel des Trainers wurde teilweise im Fanlager, vor allem aber auch medial sehr kritisch begleitet. Der nunmehr geschaffte Aufstieg beweist m.E. die Richtigkeit der Entscheidung.
Ich gehörte zu denen, die mit Stendel in die Saison gehen wollten, weil es eben jenes Moment gab, was in die neue Spielzeit rüber gerettet werden sollte. Der Weg mit viel Nachwuchs und Engagement erschien mir damals der Richtige zu sein nach der katastrophalen Schaaf Episode.
Genauso richtig und gerade noch rechtzeitig aber fand ich den Wechsel zu Breitenreiter hin.
Es ist natürlich müßig, jetzt zu spekulieren, wie es ohne den Wechsel weitergegangen wäre, aber die Auftritte der Mannschaft besonders in den 3 Spitzenspielen gegen Union, den BTSV und den VfB waren für mich der eindeutige Beleg einer Weiterentwicklung.
Es wurde nun taktisch wesentlich disziplinierter gespielt und die Schießbude wurde geschlossen.
Einzelne Spieler wie Prib, Sane, Sorg, Albornoz und Füllkrug verzeichneten einen deutlichen Formanstieg.
So wurde es dann am Ende letztlich doch geschafft.
Emotional, so muß ich zugeben, hat mich das verhältnismäßig wenig gepackt.
Vergleichen mit den ebenfalls von mir persönlich erlebten Bundesliga Aufstiegen unter Biskup, Wähling und Rangnick, fällt dieser hier deutlich ab.
Die Gesamtperformance war trotz des Aufstiegs für echte Euphorie einfach zu schlecht oder unspektakulär.
Sicher ist die 2. Liga mittlerweile eine andere Hausnummer und die Leistungsunterschiede zwischen den Teams deutlich geringer. Sicher waren der BTSV und Union und mit Abstrichen auch Dresden unerwartet starke Kontrahenten, aber ein wenig mehr hätte es schon sein dürfen.
Die mittlerweile berüchtigten Anstoßzeiten haben zumindest bei mir auch zu einem gewissen Motivationsverlust geführt.
Auch der Schlußakt der Fans in Sandhausen hat mich ein wenig geärgert.
Ich verstehe die Platzstürme nicht. Bei früheren Aufstiegen haben die Spieler noch ganz lange auf dem Platz gefeiert, inklusive Bierduschen und allem was dazu gehört.
Nun wird so schnell es geht in die Kabine gerannt und die Feierlichkeiten finden hinter verschlossenen Türen statt und man bekommt bestenfalls ein paar Schnappschüsse zu sehen. Schade eigentlich!
Im Ergebnis ist dies eine Saison, die trotz des Aufstiegs wohl nicht lange haften bleiben wird im Langzeitgedächtnis des 96 Fans. Einige haben ja schon geschrieben "eine Saison zum Vergessen". Das wäre es mit Sicherheit gewesen,. wenn das Saisonziel verfehlt worden wäre.
Trotz der vielen negativen Vibrations und der nachdenklichen Momente freue ich mich gleichwohl auf die neue Saison und hoffe, daß mit besseren Gegnern auch wieder besserer Fußball einzieht in die heiligen Hallen. Die Leistungen in den Spitzenspielen lassen ein wenig hoffen. Die Personen Heldt und Breitenreiter noch ein wenig mehr.
Das ist aber Zukunftsmusik. Ich wünsche allen noch viele Aufstiegsfreuden.