orange, vereinfacht ausgedrückt: Wir bekommen die Farbanteile ins Auge je nachdem welche Blickrichtung wir haben. Bei einem Spieler auf dem Rasen fällt halt besonders viel grünes Licht ins Auge, wenn er denn aktiv am Spiel teilnimmt und sein Blick auf den Platz konzentriert ist...Orange hat geschrieben:Wenn ich mal nachhacken darf, Kuhburger. Dir geht es um die Farbe Grün, um den grünen Untergrund, genauer gesagt. Wenn es sich dabei ausschliesslich um eine grüne Umgebung handeln würde, so könnte ich das von dir angesprochene Problem mühelos besser verstehen. Der Fussball jedoch findet aber nicht ausschliesslich in einer grünen Umgebung statt, ist ja nur der Untergrund, was grün ist, die Spieler schauen aber ja nicht ständig zum Boden, ok, Kocka Rausch vielleicht, sondern es gibt auch den Himmel darüber, die Zuschauerränge, die bunten Werbebanden, die Leibchen der zwei Mannschaften, es wird mal hell, es wird mal dunkel, manchmal regnet es ...uswusf., dazu kommt die schnelligkeit des Spiels ins Spiel, es ist fast unentwegt viel los auf´m Fussballfeld, da bringt einfach das gute Sehen nicht viel, wo im Fussball speziele Automatismen vorhanden sind, braucht man nur die Wahrnehmung bemühen, oder den Blick "aus dem Augenwinkel", gut, sagen wir: zusätzlich. Und falls es bei einigen Fussballern Seh-Defizite geben sollte, so darf man nicht vergessen, dass der Mensch sich an seine Umgebung anpassen kann, natürlich auch sehtechnisch. Also völlig blind läuft heutzutage kein Mensch mehr auf´m Platz.
Bereits der Zuschauer auf den Rängen hat anderen Bedingungen, wie Du sehr richtig erkannt hast. Ab der Seitenlinie mit Blickrichtung auf das Spielfeld, wird das menschliche Auge jedoch tendenziell kurzsichtig. Natürlich habe ich darüber praktische Feldversuche in verschiedenen Sportarten angestellt - so auch beim Fußball. Jeder, ich wiederhole jeder (!) Proband konnte seine Einschränkung dabei feststellen und nahm die Verbesserung wahr (Stichwort: Edgar-Davids-Brille). Natürlich löst man dies normalerweise mit speziellen Sport-Kontaktlinsen oder man passt eben die Korrektur an (in der Regel bei Kurzsichtigen eine viertel Dioptrie mehr minus und bei Übersichtigen sehr häufig eine halbe Dioptrie weniger plus). Eine Abweichung von einer halben Dioptrie senkt die Sehleistung um die Hälfte (eine viertel Dioptrie entsprechend um ein viertel). In der Praxis bedeutet dies, dass ein Torwart die Fußstellung des Schützen auf 20 m nicht mehr sehen kann ... soviel zu der Bedeutung des Sachverhalts.
Es gibt dabei Refraktionsdefizite, die ein Spieler durch Zusammenkneifen der Lider etwas korrigieren kann, was er auch unbewußt tut. Problem dabei: Normalerweise hat der Mensch ein Sichtfeld von rund 135°, kneift er jedoch die Lider zusammen schnurrt dieses zusammen bis unter 80°. D.h. er schränkt sein Gesichtsfeld ein und übersieht sehr leicht Mitspieler oder angreifende Gegner. Kann jeder selbst im Sessel ausprobieren...
Anderer Versuch: Versuche auf 20 m mal einen einzelnen Grashalm scharf zu sehen... mit einer Edgar-Davids-Brille sieht man diesen sofort deutlich schärfer - wenn man ihn überhaupt vorher als einzelnen Grashalm identifizieren konnte...
Ich denke daher, dass korrektes Sehen auf dem Spielfeld auch vor Verletzungen schützen kann. Aber das würde jetzt zu weit führen. Erstaunlich bleibt, dass Fußballer - und ich rede hier jetzt vom Spitzensport - dieses Thema schlicht nicht auf dem Schirm haben. Ausnahme: Die Bundesligamannschaft der Damen des VFL Wolfsburg.
Das Problem der Ungleichsichtigkeit ist ein weiteres, mindestens ebenso wichtiges Thema im Sport, weil es dirket mit dem Einschätzen von Entfernungen zu tun hat.
Ich gehe jede Wette, dass mindestens die Hälfte der Spieler des Kaders auf dem Spielfeld nicht korrrekt sehen. Eher mehr.
Fazit: Besseres Sehen verkürzt Reaktionszeiten und erlaubt mehr Präzision in den Aktionen.
Fazit 2: Besonders auffällig und hier sehr gut zu beobachten sind die Auswirkungen falschen Sehens im Jugendbereich. Schau Dir mal ein Training der C-Jugend an... selbst der Laie kann sehr schnell Spieler identifizieren, die falsch sehen. Diese Jungs haben sehr häufig technische Probleme auf einer Seite - und hier hat noch nicht jahrelanges Training diese Fehler überdeckt/versteckt. Es liegt auf der Hand, dass diese Jungs ihr Potential nie werden voll ausschöpfen können, wenn sie nicht jeden Aspekt - hier korrektes Sehen - ihres Spiels optimieren.
Wenn sie es bis zu einer gewissen Klasse gebracht haben, sagen wir mit 18, 19, dann sind sie womöglich körperlich entwickelt (ausgewachsen), stehen aber vor dem (unerkannten) Problem, dass sich ihre Sehleistung über die Dauer einer Fußballerkarriere ständig verändert. Erst mit Ende 20 verliert dieser Prozess an Dynamik. Jeder Brillenträger kennt dies. Es ist ein Irrglaube, dass "Rechtsichtige" davon nicht betroffen wären. - Es ist ein Unterschied ob die "Rechtsichtigkeit" für den Alltag, z.B. den Erwerb des Führerscheins, reicht - hier sind 70% Sehleistung erforderlich - oder ob der Betreffende seine potentielle Sehleistung für Spitzenleistungen im Sport ausschöpfen will/sollte/muss, die im Normalfall nämlich nicht bei 70% verharrt sondern sich ehr im Bereich von 120 bis 150% befindet. Der Unterschied in der Sportpraxis ist beispielsweise, dass die Flugkurve eines Balles schlicht früher wahrgenommen und eingeschätzt wird. Das erlaubt schnellere Reaktionen, besseres Stehen zum Ball, bessere Ballannahme und andere Aspekte.