@ OH96. Erstaunlich für mich, dass du zu denen gehörst, die glauben, mit Hecking die Wende noch schaffen zu können. Ich sehe es genau so wie tauri.
Wenngleich ich es richtig finde, dass Hecking eine schnelle Konsequenz aus Balitsch´Respektlosigkeit gezogen hat, ist die öffentliche Inszenierung und die Ansammlung von mehreren Strafen völlig überzogen, so wie in der Vergangenheit bei einigen anderen Spielern auch schon. Die Nicht-Aufstellung nach der Halbzeitpause finde ich völlig angemessen, aber auch ausreichend. Das sehe ich genauso wie Jasse.
In der NP von heute wird behaupet,
"Hecking wechselt vom Softie zum Macho"
. Einen größeren Schwachsinn habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Hier im Forum diskutieren wir Heckings Neigung zu überzogenen Abstrafungen seit fast zwei Jahren. Das Ergebnis ist das von tauri geschilderte Auseinanderfallen der Mannschaft. Der Respekt, der bei einem Teil der Mannschaft nicht mehr vorhanden zu sein scheint, wird nicht durch weitere Abstrafungsmaßnahmen zurückzugewinnen sein. Ich habe es schon vor einigen Wochen geschrieben: Autorität ist nicht das gleiche wie ein autoritärer Führungsstil. Aussagen von Hecking wie "ich erkläre keinem, warum er nicht spielt" bei gleichzeitiger Nicht-Erkennbarkeit von Kriterien für eine Aufstellung waren und sind Ausdruck eines solch autoritären Führungsstils. Wo Hecking in der Vergangenheit als "softie" aufgetreten sein soll, ist mir völlig schleierhaft. Wenn Hecking seine Autorität in der Mannschaft dadurch wiederherstellen will, dass er langzeitverletzte Spieler nach einer Woche Training auf Schlüsselpositionen einsetzt, um die Mannschaft "wachzurütteln", dann ist das ja wohl ein Armutszeugnis. Das Rosenthal es insgesamt ganz gut gemacht hat und durch seinen gehaltenen Elfmeter zum Held des Spiels geworden ist, ändert nichts daran, dass diese Maßnahme Heckings hochrisikoreich war und nach außen den Eindruck vermittelte, da pfiffe jemand auf dem letzten Loch.
Angesichts der extrem angespannten finanziellen Situation wird Kind wohl weiter an Hecking festhalten. Ich glaube aber, dass wir uns dadurch im unteren Tabellendrittel längerfristig festsetzen werden und dass die von 1893 geschilderte Stimmung zwischen Mannschaft und Trainer sich nicht verbessern wird. Es wird zu einer Lagerbildung kommen, die die notwendige mannschaftliche Geschlossenheit verhindert.
Noch etwas zu deinem Hinweis zu Lienen. Es stimmt sicherlich, dass Lienen menschlich ein feiner Kerl ist. Jemand, der den Mitarbeitern - vom Spielerstar bis zum kleinen Angestellten bei 96 - freundlich und höflich begegnet ist, was man bei Hecking nicht behaupten kann. Lienen pflegt auch gern sein Image als links alternativer Outsider in der Trainer-Szene, der gern seine kritische Haltung gegenüber Starkult und Presse raushängen lässt.
Mit Hecking gemeinsam hat er das Sicherheitsdenken und die Eigenschaft, die gegnerischen Mannschaften stark zu reden anstatt die eigene Mannschaft zu ermutigen auf die eigenen Stärken zu setzen. Lienen ist im Gegensatz zu Hecking aber weniger lernfähig. Auch wenn ich glaube, dass es mittlerweile zu spät ist, um mit der jetzigen Mannschaft noch die Wende hinzubekommen, erkenne ich bei Hecking sehr wohl an, dass er erkennt und es ändert, wenn sich etwas nicht bewährt hat (z.B. Abschaffung der Strafleibchen, Neuzugänge in dieser Saison auf die Bank, wenn sie keine Leistung bringen, vermehrte Einsätze für Jugendspieler wie z.B. Bastian Schulz).
In kritischen Situationen reagiert Lienen oft verstockt, blafft Journalisten an, bricht einen Streit mit dem Manager vom Zaun und inszeniert gern den Aufrechten, der der Ignoranz des Umfeldes zum Opfer fällt. Dies ist ein Kontinuum bei fast allen seinen Abgängen - zuletzt auch in Athen, wo er daraus einen Solidaritätsakt mit seinem Co-Trainer (der pikanterweise auch sein Schwiegersohn ist) macht.
Aber es spielt letztlich keine Rolle, ob der Trainer ein netter und sympathischer Mensch ist. Entscheidend ist, wie er seinen Job macht und ob die von ihm eingeleiteten Maßnahmen Erfolge zeigen und den Verein voranbringen. Lienen wie Hecking haben in ihrer ersten Saison Erfolg gehabt. In der zweiten gab es unter Lienen Stagnation mit absteigender Tendenz, wobei man ihm zu Gute halten muss, dass er deutlich weniger Mittel zur Verfügung hatte als Hecking (aber mehr als Neururer).
Bei Hecking dagegen gibt es in dieser Saison einen deutlichen Rückschritt und zwar obwohl er einkaufen durfte wie kein Trainer vor ihm. Die eingeleiteten Maßnahmen haben bisher keinen Erfolg gebracht und die Mannschaft ist als solche nicht wieder zu erkennen. Aus der einstmals hoch gelobten mannschaftlichen Geschlossenheit ist eine traurige Ansammlung von Einzelkämpfern geworden. Da diese Entwicklung schon im Dezember letzten Jahres erkennbar war, bin ich pessimistisch, dass Hecking mit dieser Mannschaft die Kurve kriegt. Da viele Spieler langfristige Verträge haben, kann man sie nicht so schnell austauschen. Ein Trainerwechsel könnte aber neue Impulse setzen. Auch Hecking würde mit einer anderen Mannschaft sicher nicht die gleichen Fehler noch mal machen. Hier bin ich mal mit Kind einer Meinung, dass auch Rangnick sich durch seine Erfahrungen in Hannover und auf Schalke weiterentwickelt hat.
Das Argument, es sei kein "besserer" Trainer auf dem Markt finde ich sowieso sehr schwach. Jedes professionelle scouting muss auch einen Trainer-scout haben. Ich nehme nicht für mich in Anspruch alle Trainer mit ihren speziellen Profilen europa- oder weltweit auf dem Schirm zu haben. Aber scouts, deren Hauptberuf das head-hunting im Fußballgeschäft ist, sollten da einiges im Köcher haben. Könnte 96 auf solch einen Trainer-scout nicht zurückgreifen, hätten wir im "internationalen Geschäft", das wir doch immer im Munde führen, sowieso nichts verloren. Als Laie sähe ich aber auch in Slomka (auch wenn er nicht will) oder in Veh durchaus denkbare Kandidaten.