Die Ängste, dass die Trauerfeier aufgrund ihrer Größe und des gewählten Ortes zum Spektakel verkommen könnte, haben sich nicht bestätigt. Es war eine würdevolle, sehr angemessene Trauerfeier, in der sich Fans und Prominente zurückhaltend, taktvoll und liebevoll verhalten haben. Der Chefredakteur der HAZ hat es wunderbar in seinem Kommentar beschrieben mit dem Satz "als hätten sie zuvor eine Choreographie einstudiert". Weiter schreibt Ulrich Neufert:
Die Menschen in der Arena - die Fans. die Spieler und Verantwortlichen von Hannover 96, die Nationalelf, DFB-Chef Theo Zwanziger oder die Politiker - sie waren nicht Teil eines "Trauerfurors", sondern tatsächlich eines würdevollen kathartischen, eines seelisch reinigenden Rituals, das selbst in seiner Größe angemessen war. Niemand hätte es für möglich gehalten, dass eines verstorbenen Fußballspielers in Deutschland in dieser Weise gedacht werden würde. Aber es war eben nicht ein Idol, sondern der ins Bodenlose gestürzte Mensch Robert Enke, dem die Trauernden nah sein wollten und der sie bewegte, ihm beizustehen. Wer dem Tag, an dem Hannover von Robert Enke Abschied nahm, dennoch kritisch gegenübersteht, sollte nicht aus den Augen verlieren, dass die Feier vielen Menschen geholfen hat. Ihnen hilft, in den Alltag zurückzukeheren, in dem sich die vielen klugen Ratschläge und Mahnungen der Trauerredner bewähren müssen.
Dies jedoch ist unglaublich schwerer als die Organisation einer Trauerfeier auf einem Fußballplatz, die ohne Beispiel war, mit der Hannover 96 sich aber in einem der dunkelsten Momente der Vereinsgeschichte als würdig erwiesen hat. Nicht nur als würdig , in der ersten Liga zu spielen.
Wer den anwesenden Fans und Gästen Eventmentalität vorwirft, war mit Sicherheit nicht selbst anwesend und kann es daher auch nicht beurteilen. Was die Medien daraus machen, ist nicht das gleiche, was die Leute bewogen hat, dort hinzugehen. Das war in jeder Minute spürbar. Selbst meine Kritik daran, dass auch Politiker geredet haben, möchte ich relativieren. Denn alle Redner waren sichtlich persönlich tief betroffen und erschüttert, so dass Ihnen mehrfach während der Reden die Stimme brach.
Nur eine Situation war pietätlos - nämlich dass zu Beginn 4 oder 5 Hubschrauber über der Arena kreisten, vollbesetzt mit eventgeilen Reportern, die nicht respektieren wollten, dass aus Gründen der Pietät im Stadion selbst offensichtlich nur der NDR zugelassen war (jedenfalls waren alle Bilder vom NDR, soweit ich es überblicke).
Gerade darin liegt das Verdienst der Organisatoren von 96, dass sie durch behutsames Kanalisieren der trauernden Menschenmenge und der Abwehr eines Medienspektakels soweit es in ihren Möglichkeiten lag, erst einen würdevollen Abschied von Robert Enke ermöglicht haben und natürlich an den Menschen selbst, die hier zu zehntausenden ein sehr gutes Gespür für Takt und Pietät bewiesen haben.