genius4u hat geschrieben:Bei genauer Betrachtung der Einnahmesituation des FC Union Berlin würdest du ganz schnell feststellen, dass es ohne die Sponsoren und TV-Einnahmen weder bezahlten Fußball noch die alte Försterei geben würde.
Und wer hat das bestritten? Hast du den verlinkten Text zu RB Leipzig gelesen? Kein Traditionalist, Fussballromantiker, Ultra o.ä. hat etwas gegen Sponsoren. Oder ist gar der Meinung das es auch ohne geht. Kritisch wird es erst ab dem Punkt ab dem ein Sponsor kein Sponsor (Unterstützer) mehr ist, sondern ein Gestalter.
genius4u hat geschrieben:Und in wie weit sich Sponsoren bei der Geschäftspolitk einbringen wissen wir nicht.
Die Grenze ist auch nicht eindeutig. Ab wann ist Einbringen auch bestimmen!? Deswegen schrieb ich auch zu "99%" und nicht zu "100%". Dennoch findet man bei Union Berlin einen Verein vor bei dem die eigene Seele über alles gestellt wird. Lieber 3te Liga als Gemeinschaft als 1te Liga mit Fremdeinfluss. Bei Union könnte man einen weitaus höheren Umsatz erwirtschaften, aber das ist dort eben nicht das wichtigste. Da kommen auch die meisten aus Vorstand und Aufsichtsrat aus der organisierten Fanszene die eben genau diese Einstellung haben.
genius4u hat geschrieben:Zumindest lässt sich ein deutlicher Trend im Zuschauerzuspruch seit 2004 nachvollziehen.
Nicht nur in Hannover, das ist ein deutschlandweites Phänomen. Der Zeitpunkt ist auch kein Zufall, der ganze Hype ging ja mit der WM2006 (plus Vorfeld) los.
genius4u hat geschrieben:auch wenn Leute wie du diese Menschen noch hunderttausend mal als Eventsfans herabqualifizieren.
"Eventfan" ist in meinen Augen keine herabqualifizierung. Selbst jeder Hardcore-Ultra ist anderswo ein Eventie. Z.b. beim Groundhopping, bei Spielen wie Real vs. Barcelona, Boca Juniors vs. River Plate oder selbst bei einem 6 Liga Spiel auf den Osterinseln.
Das hat nichts mit "besser" oder "schlechter" zu tun. Aber für manche Fragen/Betrachtungen ist es manchmal notwendig zu unterscheiden.
genius4u hat geschrieben:Die absolute Mehrheit im Stadion identifiziert sich mit Hannover 96
Mich würde ja mal interessieren: Womit?
Warum ist man Fan von H96? Die Frage sollte sich doch jeder mal stellen. Wo ist die Grenze? Ein paar Beispiele:
1) H96 steigt in die 3te Liga ab. Ist man immer noch genau so Feuer und Flamme? Geht man genau so oft hin? Wenn nein, ist man Fan des Bundesliga-Events. Wie gesagt, dadurch ist man kein schlechter Mensch, aber es ist eben auch keine Identifizierung mit dem Verein.
2) Zur neuen Saison werden ALLE Spieler und Trainer ausgetauscht. Ist man weiterhin Fan, oder war es diese spezielle Mannschaft von der man Fan ist?
3) Kind nennt in ein paar Jahren H96 um in "Hannover Kind 2017". ist man dann weiterhin Fan? Oder ist es der Name der entscheidend ist?
4) Kind ändert die Vereinsfarben in Blau-Orange, weil es Asien freundlicher ist und höhere Merchandise Umsätze generiert. Wäre man dann weiter Fan? Oder ist es das optische was entscheidend ist?
5) Der HHSV meldet Insolvenz an und geht in die 6te Liga. Kind sieht einen höheren Kundenkreis in Hamburg und zieht mit seinem Produkt um. Wäre man weiter Fan? Selbst wenn Name und Farben noch gleich wären? Oder ist man Fan weil es der Club ist der gerade in der Stadt spielt in der man wohnt?
Nichts von dem würde einem vom Fansein abbringen? Was ist wenn alles zusammen kommt? Und dazu gibt es wieder eine erste Mannschaft des H96 e.V. ? Von wem ist man dann Fan? Der umgezogenen, umbenannten KGaA? Oder des e.V.?
Das ganze Thema ist nicht rational betrachtbar. es gibt sicherlich für jeden irgendwo eine Grenze die er sich selbst setzt, die das Fass zum Überlaufen bringt (wie bei der CFHH z.b. die Ausgliederung). Aber es ist nicht nur eine Sache sondern eine Summe.
Es ist wie bei der Liebe zu einem Menschen. Warum ist man verliebt? Was macht diesen Menschen besonders? Die Eigenschaften wie "Liebevoll", Humorvoll", "Bodenständig", usw die man auf die Frage hört treffen auf die meisten anderen Menschen auch zu, trotzdem liebt man nur den einen. Wenn man nun diesem Menschen die ewige Treue schwört, dann eben dem Menschen der er/sie aktuell ist. Verändert sich dieser Mensch um 180°, ist die ewige Treue wertlos. Und auch diese Veränderung ist eine Summe bei der man irgendwann eine Grenze setzt. Alles also wie bei einem Verein.
Zurück zur Identifikation. Womit identifizieren sie sich? Ein "Wir" gibt es in Hannover nicht mehr, das wird wohl niemand bestreiten. Ein "Gemeinsam" gibt es auf Grund der Alleinherrschaft von Kind ebenso nicht. Er sagt es ja selbst, man ist Kunde. Er bietet einem etwas an und man selbst hat nur die Wahl ob man es kauft/konsumiert oder nicht. Die Mannschaft macht eine Identifizierung ebenso schwierig. Und ein Image, eine Seele die einen von anderen Vereinen abgrenzt gibt es auf Grund der extremen Angleichung und weichgespülten Kantenlosigkeit auch nicht mehr. Ist es also doch die Vergangenheit? Das gemeinsam erlebte? Die Erinnerung an den "Scheissverein"? Oder ist man vielleicht eher der konservativ kapitalistische Typ der von Kinds knallhartem Wirtschaftsspiel begeistert ist?
Wo ist diese Identifizierung? Womit genau ist man emotional verbunden?